Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel gönnt sich ein Bad in der Menge.

© REUTERS/FABIAN BIMMER

Feierlaune
10/03/2014

Politiker feiern Tag der Deutschen Einheit

25 Jahre nach der Wiedervereinigung hat der Osten den Westen aber noch nicht in allen Bereichen eingeholt.

25 Jahre nach dem Fall der Mauer freut sich Deutschland über ein Leben vereint in Vielfalt: Beim zentralen Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Hannover rief Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag dazu auf, noch bestehende Probleme beherzt anzugehen. Gleichzeitig würdigte sie den Einsatz der Demonstranten in der DDR. "Ohne den Mut dieser Bürger, ohne den von ihnen erzeugten Reformdruck wäre es nicht zum Mauerfall gekommen", sagte sie. Die Wiedervereinigung sei ohne die friedliche Revolution in der DDR und die anschließende diplomatische Überzeugungsarbeit der damaligen Regierung auf internationalem Parkett nicht denkbar gewesen. "Die Wiedervereinigung war ein historisches Meisterstück."

An dem Festakt nahmen auch der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Ex-Bundespräsident Christian Wulff, Altkanzler Gerhard Schröder sowie die Ministerpräsidenten anderer Bundesländer teil. Gefeiert wurde unter dem Motto "Vereint in Vielfalt". Für Gänsehaut-Feeling und feuchte Augen beim Publikum sorgte Klaus Meine, Sänger der Rockband "Scorpions", der zusammen mit einem Mädchenchor seine Wendehymne "Wind of Change" sang. Dazu waren bewegende Momente der jüngsten deutschen Geschichte als Filmzusammenschnitt zu sehen.

Merkel schlug in ihrer Rede einen großen Bogen von den Werten, die zur Einheit Deutschlands führten, bis hin zu den aktuellen Problemen und Herausforderungen des Jahres 2014:

"Heute können wir feststellen wie unendlich viel seit 1990 geleistet wurde. Städte, die grau und kaputt waren, wurden bunt und entwickelten wieder ihr eigenes, neues Lebensgefühl."

Zwar sei die Arbeitslosigkeit im Osten noch höher als im Westen, 2013 seien aber erstmals mehr Menschen von West- nach Ostdeutschland gezogen als umgekehrt. Der allergrößte Teil der jungen Menschen finde inzwischen, dass die Wiedervereinigung Vorteile gebracht habe. Deutschland habe beim Zusammenwachsen beider Staaten "wirklich nicht alles falsch, sondern vieles richtig gemacht", betonte Merkel.

Die Unterschiede zwischen Ost und West verlören immer mehr an Bedeutung. "Und deshalb muss es uns auch für die Zeit nach dem nach Ende des Solidarpakts ab 2020 gelingen, die Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern neu zu ordnen, und zwar so, das wir für die ostdeutschen Länder finanzielle Brüche vermeiden und gleichzeitig ein System entwickeln, von dem alle strukturschwachen Regionen in Deutschland profitieren können." Das sei "eine echte Kraftanstrengung".

Die Kanzlerin riss in ihrer Rede nahezu alle größeren aktuellen Themen an. In diesem "Seuchen, Kriegs- und Terrorjahr" scheine die Welt aus den Fugen geraten zu sein, zitierte Merkel Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Bei der Bewältigung der unzähligen nationalen und internationalen Probleme müsse Deutschland sich auf seine Werte und Überzeugungen besinnen, die schon den Fall der Mauer ermöglicht hätten.

Merkel zählte unter anderem die Arbeitslosigkeit in Deutschland, die Probleme bei der Bundeswehrausrüstung, die wachsende Zahl der Flüchtlinge und die Bedrohung durch islamistischen Terror und Krankheiten wie Ebola auf. Die Kanzlerin betonte aber zum Abschluss des Festaktes: "Das Jahr 2014, das so ganz anders verläuft, als wir uns vor einem Jahr vorstellen konnten, muss uns nicht mutlos werden lassen."

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Vereinigung, wirtschafliche Erfolgsgeschichte

25 Jahre nach dem Mauerfall in Deutschland hat der Osten den Westen nicht eingeholt, aber zumindest aufgeholt. Jeder Zweite Ostdeutsche sieht sich als Wende-Gewinner. Eine Studie zeigt, wie sich auch der Westen dem Osten annäherte. Die deutsche Wiedervereinigung hat sich aus Sicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. "Die erreichte Annäherung der Wirtschafts- und Lebensverhältnisse ist eine große ökonomische Leistung", heißt es in einer Bilanz 25 Jahre nach dem Mauerfall. Damit der Osten den Abstand zum Westen weiter verkürzen kann, sei mehr Geld für Bildung und Forschung nötig.

Einkommen Ostdeutsche erzielten heute etwa 83 Prozent des durchschnittlichen verfügbaren Einkommens der Westdeutschen. Der Industrie-Anteil an der Bruttowertschöpfung erreiche EU-Durchschnitt, der Osten liege vor Frankreich, Spanien und Großbritannien. Eine ähnliche Bilanz hatte in dieser Woche die staatliche Förderbank KfW gezogen.

Zufriedenheit Nach Befragungen des Instituts sind die Ostdeutschen heute nahezu so zufrieden mit ihrem Leben wie die übrigen Bundesbürger. In den 90ern war der Abstand noch groß gewesen. Nach einer Umfrage im Auftrag der Zeitschrift "Superillu" sowie von 13 ostdeutschen Tageszeitungen fühlt sich die Hälfte der Ostdeutschen als "Gewinner" der Wiedervereinigung. Knapp jeder Vierte (23 Prozent) sieht sich dagegen als "Verlierer".

Löhne, Produktivität und Wirtschaftsleistung könnten in einem Land nie völlig gleich sein, bemerkte DIW-Chef Marcel Fratzscher am Donnerstag in Berlin. "Selbst innerhalb von Westdeutschland gibt es große Unterschiede in den Regionen." In Ländern wie Italien und Spanien klafften die Landesteile stärker auseinander als Ost und West in Deutschland. "Es gibt auch Bereiche, wo sich der Westen Ostdeutschland annähert", hob der Forscher hervor. So seien inzwischen 70 Prozent der Frauen im Westen erwerbstätig, im Osten 75 Prozent. Immer mehr brächten ihre unter dreijährigen Kindern in eine Kita. Vor allem gut ausgebildete Eltern nutzten die Betreuungsangebote stärker.

Was wird heute gefeiert?

Am 3. Oktober 1990 wurden Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen Länder der Bundesrepublik Deutschland. Das im Einigungsvertrag festgelegte Datum der Vereinigung von Ost und West ist seither als Tag der Deutschen Einheit nationaler Gedenktag.

Um das Zusammengehörigkeitsgefühl der Deutschen zu stärken, wird jährlich am 3. Oktober ein zentrales Bürgerfest gefeiert. Es wird immer von dem Land ausgerichtet, das den Vorsitz im Bundesrat hat. 2014 ist es Niedersachsen, gefeiert wird in Hannover. In Erinnerung an den Volksaufstand in der DDR feierte die Bundesrepublik bis 1990 den 17. Juni als "Tag der Deutschen Einheit".

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