Politik | Ausland
10.10.2018

Fall Khashoggi: US-Präsident Trump schaltet sich ein

Laut Medienberichten plante Riad Gefangennahme des Journalisten. Seine Verlobte appellierte an Trump - offenbar mit Erfolg.

In der Affäre um ihren vermissten Gastautor Jamal Khashoggi bringt ein Artikel der "Washington Post" die saudischen Behörden in Erklärungsnot. Demnach wurden in Riad schon vor dem Verschwinden des regimekritischen Journalisten Pläne geschmiedet, den 59-Jährigen gefangen zu nehmen und zu verhören - oder sogar zu töten.

Das gehe aus Informationen des US-Geheimdienstes hervor, der die Kommunikation zwischen saudischen Regierungsvertretern ausgespäht habe, berichtete die US-Zeitung in der Nacht zum Mittwoch.

Die regierungsnahe türkische Zeitung "Sabah" hat die Namen von 15 Saudi-Arabern veröffentlicht, die am Verschwinden des prominenten Journalisten Jamal Khashoggi in Istanbul beteiligt sein sollen. Die Männer seien am 2. Oktober auf dem Atatürk-Flughafen in Istanbul gelandet, berichtete die Zeitung am Mittwoch. Sie druckte auch Fotos einiger der Männer bei der Passkontrolle ab.

Seit einer Woche vermisst

Die Saudis hätten in zwei Hotels übernachtet, die im gleichen Istanbuler Viertel liegen wie das saudi-arabische Konsulat. Bei einem der Männer handelt es sich saudi-arabischen Medienberichten zufolge um einen Forensik-Experten. Die Männer seien zu vier unterschiedlichen Zeiten wieder abgereist.

Die Zeitung äußerte sich nicht dazu, wie sie an die Fotos und Daten kam. Der türkische Fernsehsender NTV übertrug Bilder, welche die Saudis bei der Ankunft am Flughafen und beim Einchecken im Hotel zeigen sollen. Er zeigte auch Video-Material eines großen Lieferwagens, der zwei Stunden, nachdem Khashoggi das Konsulat betreten habe, in der Residenz des Generalkonsuls eingetroffen sei.

Trump: "Sehr schlimme Situation"

Die Verlobte Khashoggis hat US-Präsident Donald Trump um Hilfe bei der Aufklärung des Falls gebeten. In einem Kommentar für die "Washington Post" schrieb Hatice Cengiz, sie vertraue auf die türkischen Behörden bei den Ermittlungen, doch appelliere sie zugleich an Trump und dessen Frau Melania "Licht auf das Verschwinden von Jamal zu werfen".

Trump hat sich in den Fall des in der Türkei verschwundenen saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi eingeschaltet. Er habe auf höchster Ebene mit Vertretern Saudi-Arabiens gesprochen, sagte Trump am Mittwoch und kommentierte: "Das ist eine sehr schlimme Situation." Zugleich forderte seine Regierung Saudi-Arabien auf, sich in dem Fall transparent zu verhalten.

Die USA wollten der Sache auf den Grund gehen, sagte Trump weiter. Sein Land arbeite eng mit den türkischen Behörden zusammen. Er würde gerne die Verlobte Khashoggis ins Weiße Haus nach Washington einladen.

Khashoggi wird seit einer Woche vermisst. Der Saudi betrat das Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul vor mehr als einer Woche, um Papiere für seine Hochzeit abzuholen, kam aber nicht wieder heraus. Nach Einschätzung türkischer Polizei- und Geheimdienstkreise wurde er im Konsulat ermordet. Saudi-Arabien weist die Vorwürfe zurück und beharrt darauf, dass Khashoggi erst nach dem Verlassen des Konsulats verschwunden sei. Die türkischen Behörden erhoffen sich nun von einer Durchsuchung des Konsulats neue Erkenntnisse.