Eurasische Union nimmt offiziell Arbeit auf

Putin will die Ex-Sowjetrepubliken wirtschaftlich reintigrieren. Der Auftakt ist von Konflikten überschattet.

Zu Jahresbeginn nahm sie offiziell ihre Tätigkeit auf: Die Eurasische Union, mit der Kremlchef Wladimir Putin die wirtschaftliche Reintegration der ehemaligen Sowjetrepubliken auf den Weg bringen will. Der Name klingt nach imperialem Anspruch. Die Realität kommt erheblich bescheidener daher.

Zwar traten dem 2010 von Russland, Weißrussland und Kasachstan als Zollunion gegründeten Bündnis inzwischen auch Armenien und Kirgisistan bei. Deren Nachbarn Usbekistan und Tadschikistan haben ebenfalls Interesse an dem gemeinsamen Markt bekundet, der bis 2025 entstehen soll. Mit barrierefreiem Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskräften. In nur einem Jahrzehnt wollen die Mitglieder sogar Grundlagen für eine gemeinsame Finanzpolitik schaffen. Ein Ziel, das bisher nicht einmal die EU erreichte, mit der die Eurasische Union aber auf gleicher Augenhöhe um Einfluss zwischen Atlantik und Pazifik konkurrieren will.

Putin macht daraus keinen Hehl. Doch die eurasische Gemeinschaft bringt derzeit mal gerade 183 Millionen Menschen auf die Waage, die ein Bruttoinlandsprodukt von knapp 3,3 Billionen Euro erzeugen. Die 742,5 Millionen Europäer indes erbrachten 2013 eine Gesamt-Wirtschaftsleistung von 13,1 Billionen Euro.

Vor allem aber: Die Zusammensetzung der Eurasischen Union entspricht im Wesentlichen dem Bündnis der UdSSR-Nachfolgegemeinschaft GUS: der Organisation des Vertrags für kollektive Sicherheit. Und schon die verdeutlicht den schwindenden Einfluss Moskaus auf seine Ex-Vasallen. Der Konflikt zwischen prowestlichen und pro-russischen Staaten lähmt die GUS zusätzlich.

Wenden könnte Moskau das Blatt, wenn die Ukraine – sie hat ihre GUS-Mitgliedschaft ruhend gestellt – umschwenkt, und in deren Sog auch Georgien, Moldawien, eventuell sogar das Öl- und Gas-reiche Aserbaidschan. Vor allem daher versucht Putin, Kiews EU-Assoziierungsabkommen zu hintertreiben.

Angst der Kasachen

Zwar will Moskau, um den schwindenden Einfluss auf seine prowestlichen Ex-Vasallen zu kompensieren, deren Spaltprodukten (Südossetien, Abchasien, Transnistrien, eventuell die ostukrainischen Regionen) den Eintritt in die Eurasische Union ermöglichen. Doch das würde de facto auf internationale Anerkennung der Separatisten hinauslaufen. Und dazu mögen sich nicht einmal die armen und daher hochgradig von Russland abhängigen Zentralasiaten aufraffen. Schon gar nicht das wirtschaftlich potente Kasachstan. Es befürchtet Signalwirkung für die eigene russische Minderheit. Weißrussland sperrt sich auch.

Getrübt ist Moskaus Verhältnis zu den anderen Gründerstaaten der Eurasischen Union daher schon länger. Inzwischen kommt bei Putins dortigen Amtsbrüdern die Furcht dazu, die Rezession in Russland könnte ihre eigenen Volkswirtschaften mit in den Abgrund reißen. Und damit auch das Eurasien-Projekt.

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