SPÖ-EU-Spitzenkandidat Andreas Schieder

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Politik | Ausland
05/15/2019

EU-Spitzenkandidat Schieder: "Wollte immer Rockstar werden"

EU-Wahltalk: Was SPÖ-Mann Schieder in Europa ändern will – und warum sein Traumberuf nicht klappte.

Zuerst eine Pressekonferenz, dann ein Online-Chat mit Bürgern auf unterschiedlichsten Plattformen – zuletzt bei Reddit. Auf Märkten und Plätzen klassisch wahlwerben – in Wahlkampfzeiten sind Politiker wie SPÖ-EU-Spitzenkandidat Andreas Schieder wahrlich nicht zu beneiden. Etwas entspannender war da ein kurzer Besuch beim EU-Talk des KURIER, wo Schüler Fragen stellen können.

Warum er eigentlich Politiker wurde – und ob der Job noch Spaß mache, will dann gleich Schüler Mike wissen? „Unterm Strich ist die Arbeit für mich positiv“, sagt Schieder, etwas heiser, aber sonst gut gelaunt. „Der Job bleibt spannend, weil man nie auslernt, man muss sich dauernd mit neuen Fragen beschäftigen. Und ja, oft reagieren Menschen auch negativ und schimpfen einen“, sagt der 50-Jährige, der schon viel in der Politik erlebt hat: Schulsprecher war er einst, Landtagsabgeordneter, Mandatar im Nationalrat, Staatssekretär im Finanzministerium. „Obwohl – eigentlich wäre ich gern Rockstar geworden, wie Mick Jagger von den Rolling Stones.“ Er sei, muss er zugeben, „aber nicht sehr musikalisch, und singen kann ich auch nicht gut“.

Viele Fragen von Julian, Neyazi und Helena gab es dann zum Brexit, zum wahrscheinlichen Austritt Großbritanniens aus der EU. „Das ist ein großer Fehler mit schwerwiegenden Folgen für alle, vor allem für die Briten, aber auch für Europa“, erklärt der Abgeordnete. „Dabei war das Abstimmungsergebnis ein knappes, da wurde im Wahlkampf sehr viel gelogen.“ Den Streit um den Scheidungsvertrag mit der EU vergleicht der angehende EU-Mandatar mit einem einfachen Gericht: „Es ist einfach, aus 28 Eiern eine große Eierspeis zu machen, nicht aber, aus einer Eierspeis wieder 28 Eier.“

Sorge vor Öxit

Schieder fürchtet auch, dass das schlechte Beispiel des Austritts der Briten Schule machen könnte angesichts des wachsenden Nationalismus in manchen EU-Ländern. „In Polen, in Ungarn, auch in Österreich.“

Obwohl: Rundum zufrieden mit dem Zustand der EU ist der SPÖ-Mann auch nicht, und schon ist er wieder voll im Wahlkampf-Modus: Er kreide der Bundesregierung massiv an, dass sie Menschen gegeneinander ausspiele, dass sie sich mehr für Konzerne als für die Bürger einsetze, dass toleriert werde, dass globale Großkonzerne problemlos ihre Gewinne verschieben können und so praktisch keine Steuern mehr in Europa zahlen. Europa müsse sozialer und fairer für die Bürger werden, es brauche Mindestlöhne je nach Kaufkraft des Landes. Und weder dürfe es Handelsabkommen mit „Steuersümpfen“ geben, noch mit Staaten, die nicht am weltweiten Klimaabkommen festhalten. „Und in zehn Jahren“, sagt er, „will ich zurückblicken und sehen können, dass wir in Europa die richtigen Schritte gesetzt haben, und die Klimaerwärmung eingedämmt wird.“