EU-Skeptiker: "Schluss mit Europahymne"

Boykott der "Ode an die Freude": Rechtspopulisten protestieren bei erster Sitzung des EU-Parlaments.

Gleich zum Auftakt der konstituierenden Sitzung am Dienstagmorgen haben die EU-Gegner im Europaparlament auf sich aufmerksam gemacht: Als die Straßburger Symphoniker Beethovens "Ode an die Freude" - die offizielle Europahymne - anstimmten, kehrten rund 30 von ihnen den Musikern demonstrativ den Rücken zu.

Symbol der "Unterwerfung"

Die europäische Hymne und die Europafahne seien Symbole für die "Unterwerfung" unter die Union, die das britische Volk ablehne, sagte der britische Europagegner Paul Nuttall (UKIP). Man werde alles tun, um gegen ein System zu arbeiten, das "Millionen Menschen quer durch Europa in Armut und Arbeitslosigkeit" stürze.

UKIP-Chef Nigel Farage hatte schon am Vortag ein ähnliches Verhalten gezeigt. Als am Montag die Europahymne gespielt wurde, tanzte er aus der Reihe und drehte sich demonstrativ weg, wie SPÖ-Abgeordneter Eugen Freund festhielt.

Nicht nur UKIP drückte ihren Protest aus: Auch Abgeordnete des rechtsextremen französischen Front National, weigerten sich, sich im Straßburger Plenarsaal von ihren Sitzen zu erheben, wie das beim Spielen der Europahymne üblich ist, berichtet ORF.at. Sogar Parlamentarier der britischen Konservativen blieben sitzen. "Wenn Großbritannien aus der EU austritt, werde ich bei der Hymne glücklich aufstehen - als Zeichen des Respekts für ein befreundetes Nachbarland", twitterte der britische Konservative Daniel Hannan.

Auch FPÖ-Mandatar Harald Vilimsky blieb offenbar sitzen:

Grillo: "Hymne von Hitler und Mao"

Auch der Gründer der populistischen italienischen Protestbewegung Fünf Sterne, Beppe Grillo, teilt den Hymnen-Boykott: "Schluss mit der ́Ode an die Freude ́. Sie wurde von Hitler bei Geburtstagen und von Mao in China gespielt, Schluss!", betonte Grillo nach Angaben italienischer Medien. Grillo kritisierte die "Bürokratie auf höchstem Niveau" in Brüssel. "Man begreift hier nichts. Wir sind für Transparenz. Wir wollen dieses Parlament und diese Büros öffnen und die Verantwortliche für diese verheerende Politik und Wirtschaft finden", sagte der Starkomiker, der 2009 seine populistische Bewegung gegründet hatte.

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