Deutsche Politiker: Athen hat Recht auf Kriegsentschädigung

Die Flaggen der EU und Griechenlands wehen vor dem Parthenon in Athen.
Erste deutsche Politiker schwenken um in der Frage um Nazi-Reparationszahlungen.

Die deutsche Bundesregierung bleibt kategorisch hart: Milliardenschwere Entschädigungszahlungen für die Folgen der dreijährigen Nazi-Besetzung, wie sie die Regierung in Athen fordert, lehnt Berlin glattweg ab. Doch in den Reihen der deutschen Spitzenpolitik werden nun erste Stimmen laut, die sich offen dafür aussprechen, Griechenland zu entschädigen. "Wir sollten auf die Opfer und deren Angehörige finanziell zugehen", forderte gestern Gesine Schwan, Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission und zweimalige Kandidatin für das Amt des deutschen Bundespräsidenten gegenüber Spiegel online. Ähnlich äußerten sich auch der SPD-Vizechef Ralf Stegner sowie Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. Beide betonten aber auch: Die Frage der Entschädigungen sollte nicht mit der aktuel-len Schuldenkrise Griechenlands verknüpft werden.

Ansprüche erloschen

Die Regierung in Berlin vertritt hingegen den Standpunkt, dass nach der Wiedervereinigung und dem sogenannten Zwei-Plus-Vier-Vertrag im Jahr 1990 alle Entschädigungsansprüche aus Athen erloschen sind. Bisher hat Berlin Griechenland im Jahr 1960 mit der einmaligen Summe von damals 115 Millionen DM entschädigt. Insgesamt hat Deutschland seit Kriegsende weltweit 71 Milliarden Euro an Reparationszahlungen geleistet.

Der Ton zwischen den Regierungen in Berlin und Athen wird indes immer rauer, vor allem jener zwischen den Finanzministern Schäuble und Varoufakis. Wohl auch, um die Spannungen zu entschärfen, hat nun Kanzlerin Angela Merkel den griechischen Premier Alexis Tsipras für kommenden Montag zum ersten Mal nach Berlin eingeladen. Bald danach wird Tsipras auf Einladung Wladimir Putins nach Russland reisen.

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