Politik | Ausland
19.04.2018

Ende der Castro-Ära: Díaz-Canel ist neuer kubanischer Präsident

Das Parlament in Havanna wählte den bisherigen Vizepräsidenten zum Nachfolger von Präsident Raul Castro.

Miguel Diaz-Canel wird neuer Staatspräsident von Kuba. Das Parlament in Havanna wählte den bisherigen Vizepräsidenten am Donnerstag zum Nachfolger von Präsident Raul Castro, wie die Staatsmedien meldeten. Der starke Mann in Kuba trägt somit erstmals seit fast sechs Jahrzehnten nicht mehr den Nachnamen Castro.

Diaz-Canel wird auch der erste Staatschef Kubas, der nach der Revolution von 1959 geboren wurde. Seine Wahl war eine reine Formsache: Die Nationale Kandidatenkommission nominierte Diaz-Canel am Mittwoch zum einzigen Kandidaten. Das Parlament soll zudem den 31-köpfigen Staatsrat neu bestimmen.

Kein Politikwechsel in Sicht

Der 57-Jährige gilt als Wunsch-Kandidat des bisherigen Präsidenten Raul Castro. Mit einem drastischen Politikwechsel ist nicht zu rechnen. Diaz-Canel machte Karriere in der Kommunistischen Partei Kubas, zog 2003 als damals jüngstes Mitglied in das mächtige Politbüro ein und wurde später zum Minister für Hochschulbildung und Vizepräsidenten ernannt.

Damit wird auf der von der Kommunistischen Partei regierten Karibikinsel ein Generationenwechsel an der Staatsspitze eingeleitet. Castro bleibt allerdings zunächst KP-Chef.

Die Bekanntgabe fällt mit dem Jubiläum des Sieges in der Schweinebucht zusammen: Am 19. April 1961 scheiterte der Versuch von Exilkubanern, mit einem vom US-Auslandsgeheimdienst CIA unterstützten Invasionsversuch die Revolution rückgängig zu machen.

Seit 1959 gab es erst einen wirklichen Wechsel an der Spitze des kubanischen Staates: 2006 übergab der Revolutionsführer Fidel Castro wegen einer schweren Erkrankung seine Amtsgeschäfte als Staatsoberhaupt vorläufig an seinen jüngeren Bruder Raul, den damaligen stellvertretenden Staatsratsvorsitzenden und Verteidigungsminister. 2008 trat der jüngere Castro dann offiziell die Nachfolge als Staatschef an.

Auf Diaz-Canel kommt die schwierige Aufgabe zu, die Errungenschaften der Revolution zu festigen und zugleich die von seinem Mentor Raul Castro eingeleiteten Reformen voranzutreiben.

Elektronikingenieur

Diaz-Canel beendete sein Studium als Elektronikingenieur 1982. Nach dem Militärdienst lehrte er als Professor an der Universität von Santa Clara. Daneben war er für die Jugendorganisation der Kommunistischen Partei tätig. 1994 wurde er zum Ersten Parteisekretär der zentralen Provinz Villa Clara gewählt.

Später wechselte er in die östliche Provinz Holguin. 2003 wurde er mit 43 Jahren Mitglied des Politbüros, des höchsten Gremiums der Partei. 2009 erfolgte auf Vorschlag Raul Castros seine Ernennung zum Minister für Hochschulbildung. 2012 folgte ein weiterer Karrieresprung: Diaz-Canel wurde er einer von acht Vizepräsidenten im Ministerrat, ein Jahr später dann Mitglied im mächtigen Staatsrat.