Die Ära von Joseph Kabila geht – vorerst – zuende 

© APA/AFP/JOHN WESSELS

Politik Ausland
01/10/2019

DR Kongo: Unruhen nach Verkündung des Wahlergebnisses

Mehrere Tote bei Machtwechsel in afrikanischem Flächenstaat. Oppositioneller Felix Tshisekedi löst Kabila ab

Bei Unruhen nach der Verkündung der offiziellen Ergebnisse nach der Präsidentenwahl in der Demokratischen Republik Kongo sind mindestens vier Menschen getötet worden. Dabei hätte es die erste friedliche Machtübernahme in der Geschichte der Demokratischen Republik Kongo werden sollen, eines der instabilsten und flächenmäßig größten Länder Afrikas. Seit dem Ende der belgischen Kolonialherrschaft 1960 gab es nur blutige Machtwechsel.

Am Donnerstag hatte die Wahlkommission den Oppositionskandidaten Felix Tshisekedi zum Gewinner der Präsidentenwahl erklärt. Seine Partei Union für Demokratie und Sozialen Fortschritt (UDPS) ist die älteste und größte Oppositionspartei des Landes, gegrüdnet wurde sie von seinem Vater Etienne.

Kabilas Einfluss

Doch nur wenige glauben daran, dass es bei der Wahl mit rechten Dingen zugegangen ist. Immerhin ist allgemein bekannt, dass Staatschef Joseph Kabila, der seit 2001 an der Macht war, sich von der Staatsspitze nicht allzuweit wegbewegen wolle.

Das Gerücht machte die Runde, dass Tshisekedi seinen Wahlsieg nur einem Deal mit Kabila zu verdanken habe. Kurz vor der Wahl soll es zu mehreren Treffen gekommen sein. Kurz nach der Wahl kündigte Tshisekedi eine enge Zusammenarbeit mit Kabila an.

Joseph Kabila ist 2001 an die Macht gekommen, nachdem sein Vater, Laurent-Désiré Kabila, der Präsident, ermordet wurde. Die Verfassung verbot Joseph Kabila nun aber, bei der Wahl Ende Dezember 2019 erneut zur Präsidentenwahl anzutreten. Sein Versuch, das Grundgesetz noch rechtzeitig für eine weitere Kandidatur zu ändern, scheiterte aber.

Ebenso scheiterte sein Versuch, seinen Vertrauten, Ex-Innenminister Emmanuel Ramazani Shadary, zum Nachfolger zu machen. Schon während des Wahlkampfes zeichnete sich dessen Niederlage ab.

Martin Fayulu, eigentlicher Favorit der Opposition, sprach von einem „Putsch“. Die Resultate hätten „nichts mit der Wahrheit an den Urnen zu tun“. Die blutige Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und der Polizei fand in einer der Hochburgen von Fayulu im Zentrum des Landes statt.