Politik | Ausland
06.06.2018

Doppelpässe für Südtiroler: Lega zeigt Verständnis

Laut Bericht in der Presse ist Italiens Rechtspartei offen für Gespräche über Forderung nach doppelter Staatsbürgerschaft.

Der Regierungswechsel in Italien könnte die wegen der Südtirol-Frage gereizte Stimmung zwischen Rom und Wien wieder entspannen. Das berichtet die Tageszeitung "Die Presse" in ihrer Donnerstagsausgabe. Demnach zeigt die rechtsgerichtete Lega Verständnis für doppelte Staatsbürgerschaften für deutsch- und ladinischsprachige Südtiroler. Diese waren in Österreich vor allem von der FPÖ gefordert worden.

Das italienische Innenministerium wird jetzt von der ausländerfeindlichen Lega kontrolliert. Sie gilt als FPÖ-Schwesterpartei - beide sitzen gemeinsam in der euroskeptischen EU-Parlamentsfraktion. "Wir sind alte Freunde der FPÖ", betonte daher auch Mirko Bisesti, frisch ernannter Vorsitzender der Lega im norditalienischen Trentino. Der 29-jährige politische Ziehsohn von Lega-Chef und Neo-Innenminister Matteo Salvini signalisierte in dem "Presse"-Gespräch Offenheit für österreichische Pässe für Südtiroler: "Für uns von der Lega sind kulturelle Wurzeln ein wichtiger Wert. Wir verstehen die Südtiroler und ihre Anliegen."

Die Lega sei durchaus bereit, darüber zu reden. Die Voraussetzung: Die heikle Doppelpass-Frage müsse von den Regierungen in Rom, Wien und Bozen "gemeinsam und so harmonisch wie möglich" gelöst werden. "Wir wollen nationalistische Instrumentalisierungen vermeiden, die zu einer Eskalation wie in Katalonien führen", zeigte sich Bisesti staatsmännisch.

Im österreichischen Innenministerium gab man sich indes noch abwartend. Südtirol sei bei einem Telefonat zwischen Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) und Salvini am Dienstag kein Thema gewesen, aber es werden Gespräche zu dem Thema stattfinden, sagte ein Sprecher. Offen ist auch, wie sich der Koalitionspartner der Lega, die Fünf-Sterne-Bewegung, zu der Doppelstaatsbürgerschaft positionieren wird: Zuletzt schienen die "Grillini" in der Frage gespalten, wie "Die Presse" laut einem Vorausbericht schrieb.