Dinge, die man über den G-20-Gipfel wissen sollte
Am Wochenende findet in Brisbane der G-20-Gipfel statt. Zeit, sich diese Zusammenkunft der Wirtschaftsmächte anzusehen.
G-20 - WAS IST DAS?
Die Gruppe der G-20: Das sind 19 Länder und eine Organisation, die Europäische Union. Sie repräsentiert zwei Drittel der Weltbevölkerung und 75 Prozent des weltweiten Handels. Die G-20 entstand 1999 als Reaktion auf die Finanzkrise in Asien. Zunächst trafen sich die Finanzminister und Vertreter der Zentralbanken. 2008 änderte sich das mit der globalen Finanzkrise nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers. Seither gibt es ein jährliches Treffen auch auf Gipfelebene. Begründung: international enger abgestimmtes Vorgehen zum Wohl der Weltwirtschaft. Derzeit führt Australien den G-20-Vorsitz.
WORÜBER WIRD IN BRISBANE AUF DEM G-20-GIPFEL GEREDET?
Gedacht sind die G-20 als reines Wirtschaftsforum. Weltwirtschaft stärken, Reformen in den Mitgliedsländern anstoßen, Finanzmärkte überwachen, internationale Finanzinstitutionen zu reformieren - solche Ziele. Aber wo dermaßen viel politische Macht versammelt ist, geht es natürlich auch zum Beispiel um das Klima und um die politische Lage der Welt sowie ihre Krisen. An letzterem ist 2014 kein Mangel. Besondere Aufmerksamkeit wird der russische Präsident Wladimir Putin erfahren, der - aus den G-8 ausgeschlossen - heuer noch nicht auf vielen internationalen Treffen mit den Kollegen aus dem Westen zusammenkam. Gipfelgastgeber ist der australische Premier Tony Abbott.
WAS WIRD IN BRISBANE HERAUSKOMMEN?
Die G-20-Präsidentschaft hätte gerne verbindliche Maßnahmen zur Stärkung der Weltwirtschaft und für mehr Wachstum, das natürlich "nachhaltig" sein muss. Herauskommen wird am Sonntag aller Voraussicht nach ein (von den Sherpas monatelang vorverhandeltes) Abschlussdokument, das wie immer eine Quersumme vollendeter Diplomatie, mehrfach abgesicherter Unverbindlichkeit und Ziel geharnischter Kritik einer Reihe von NGO sein wird. Die G-20 werden sich zum Kampf gegen den die Terrormiliz "Islamischen Staat" (IS) und die Ebola-Epidemie bekennen, das Klima schützen wollen sowie Wachstum und Beschäftigung steigern.
WELCHE POLIT-PROMINENZ REIST AN?
US-Präsident Barack Obama, Putin, Chinas Staatschef Xi Jingping, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel - das sind nur einige der prominentesten Namen aus dem breiten Reigen von Staats- und Regierungschefs. Gefragt, wie sinnvoll solche Megatreffen noch sind ("globaler Politzirkus"?), legen die Gipfelteilnehmer auf diese persönlichen Treffen stets großen Wert. Es sei absolut unverzichtbar, dass man auch einmal direkt miteinander rede und sich austausche.
WIE SIEHT ES MIT TEILNEHMERZAHLEN INSGESAMT AUS?
Ein G-20-Gipfel ist eine riesige Maschine, ein Apparat mit vielen Tausend Beteiligten und monatelanger Vorbereitung. Auch in Brisbane wird der Auftrieb beträchtlich sein. Allein 5300 Delegierte werden erwartet, dazu etwa 2300 Journalisten.
SIND DIE SORGEN UM DIE SICHERHEIT GROSS?
Ja, allerdings. Gipfel sind für die Sicherheitsleute immer besondere Herausforderungen, das ist in Brisbane nicht anders. Dazu kommt nun eine besonders erhöhte Wachsamkeit, weil Australien in der internationalen Koalition gegen den Islamischen Staat mitmacht. In Brisbane gibt es bekannterweise muslimische Extremisten. Dort und in Sydney fand am 18. September die größte Anti-Terror-Razzia in der Geschichte der australischen Polizei statt. Zwei Verdächtige aus Brisbane sind in Haft, darunter der Bruder des ersten australischen Selbstmordattentäters, der im September 2013 in Syrien 35 Menschen in den Tod riss.
WO IST DER NÄCHSTE G-20?
Im nächsten Jahr geht es in die Türkei, nach Istanbul. Vor Brisbane war Russland an der Reihe (St. Petersburg). Brisbane ist der neunte Gipfel der G-20: Washington (2008), London (2009), Pittsburg (2009), Toronto (2010), Seoul (2010), Cannes (2011), Los Cabos (2012).
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