Politik | Ausland
01.11.2018

Die Taliban sind in Afghanistan weiter auf dem Vormarsch

US-Generalinspekteurs: "Minimaler oder gar kein Fortschritt" der afghanischen Streitkräfte im Kampf gegen die Extremisten.

Mehr als ein Jahr nach dem von US-Präsident Donald Trump angekündigten Strategiewechsel in Afghanistan sind die radikalislamischen Taliban weiter auf dem Vormarsch. Die afghanische Zentralregierung in Kabul übe nur noch in 226 von 407 Distrikten des Landes Einfluss aus, heißt es in dem am Donnerstag in Washington vorgelegten Fortschrittsbericht des US-Generalinspekteurs für Afghanistan (SIGAR).

Dies sei die bisher niedrigste registrierte Zahl. Die Zahl der getöteten afghanischen Sicherheitskräfte sei im Zeitraum von Mai bis September dieses Jahres auf einen Höchststand gestiegen. Genaue Zahlen zu den Getöteten nannte der Generalinspektor in seinem Bericht nicht. Die US-Regierung veröffentlicht diese Zahlen seit vergangenem Jahr auf Bitten Afghanistans nicht mehr.

Der Generalinspektor resümierte, dass die von den USA unterstützten afghanischen Streitkräfte "minimalen oder gar keinen Fortschritt" im Kampf gegen die Taliban gemacht hätten. Die Regierung in Kabul kontrolliere noch Gebiete, in denen rund 65 Prozent der afghanischen Bevölkerung lebten.

Vor einem Jahr hatte der damalige Kommandant der NATO-Mission in Afghanistan, John Nicholson, als Ziel ausgegeben, dass die Regierung bis 2019 mindestens 80 Prozent der Bevölkerung kontrollieren solle.

Präsident Trump hatte im vergangenen Jahr eine überarbeitete Afghanistan-Strategie vorgelegt. Er schickte mehrere tausend zusätzliche US-Soldaten in das Land. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, afghanische Kräfte auszubilden und zu beraten.

Der US-Generalinspektor für Afghanistan war vom Kongress in Washington eingesetzt worden. Er legt regelmäßige Berichte zum Stand des Wiederaufbaus in Afghanistan vor.