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Politik Ausland
03/04/2019

"Die Migrantenankünfte waren zu stark": Macron gibt zu, Italien allein gelassen zu haben

Es habe an Solidarität in Europa gefehlt, sagte der französische Präsident in Hinblick auf die Migrationskrise 2015.

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat zugegeben, dass Italien im Umgang mit den Migrantenströmen allein gelassen worden sei. "Die Migrantenankünfte waren zu stark und es hat an Solidarität seitens Europas gefehlt", sagte Macron im Interview mit der von RAI 1 gesenden italienischen Talkshow "Che tempo che fa?" am Sonntagabend.

"Dieselbe Angst vor Migranten gibt es auch in Frankreich. Die Lösung ist, unsere Beziehung zu Afrika zu überdenken. Unsere Schicksale sind eng miteinander verbunden. Wir Europäer müssen eine gemeinsame Stabilisierungspolitik für Afrika entwickeln", so Macron, der vom italienischen Starmoderator Fabio Fazio interviewt wurde.

"Die Angst vor der Offenheit kann dazu führen, sich zu verschließen. Die Antwort darf nicht ein Europa des Nationalismus sein. Kein Land, weder Italien noch Frankreich, kann die eigenen Probleme lösen, indem es sich verschließt", sagte Macron.

"Brauchen starkes Europa"

"Wir brauchen ein starkes Europa, das die Forderung der Völker nach Identität berücksichtigt. Wir müssen ein Europa aufbauen, das souverän und stärker ist. Jemand verteidigt den Nationalismus, doch ich werde immer diese Personen bekämpfen, denn sie würden uns um Jahre zurückversetzen. Ein souveränes Europa ist ein vereintes Europa in Sachen Verteidigung, Politik, Klima, Ernährung und Digitalisierung", so Macron.

Der französische Präsident versicherte, dass die Unstimmigkeiten mit Italien, die vor drei Wochen zum Rückruf des französischen Botschafters in Rom geführt hatten, bewältigt seien. Macron kündigte für 2. Mai ein Treffen mit seinem italienischen Amtskollegen Sergio Mattarella in Paris an. Gemeinsam wollen die beiden Präsidenten die Feierlichkeiten für den 500. Todestag des Renaissance-Genies Leonardo da Vinci eröffnen.