Heuer um 50 Prozent mehr Asylwerber
Die Zahl der Zuwanderer nach Deutschland nimmt so stark zu wie nie zuvor. Für heuer erwartet des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mindestens 300.000 Asylbewerber. Das wären noch mehr als 1991 während der Balkankriege und um die Hälfte mehr als 2014. Schon da lag der Zuwachs bei 20 Prozent. Dazu kommen noch die regulären Zuwanderer aus der EU und anderen sicheren Staaten, deren Zahl ebenfalls sprunghaft ansteigt.
Insgesamt sind allein im ersten Halbjahr 2014, für das das Statistische Bundesamt jetzt die Zahlen vorlegte, 240.000 Menschen mehr nach Deutschland ein- als ausgewandert. Zwei Drittel kamen aus Europa. Der größte Zuzug kam mit fast 100.000 aus Rumänien, gefolgt von Polen und Bulgarien. Relativ am größten war die Steigerung aus Afrika mit 50 Prozent und Asien mit 37 Prozent – abgesehen von Syrien. Von dort kamen in der ersten Hälfte des Vorjahres 22.000 Flüchtlinge. Auch für heuer rechnet das Bundesamt für Migration, dass bei syrischen Flüchtlingen die relativ stärkste Zunahme erreicht werden wird.
Kosovo-Problem
Irak und Nordafrika stehen ebenfalls als Herkunftsgegend weit oben. Auch mit einem Anschwellen des Flüchtlingsstroms aus der Ukraine rechnet man nun in Berlin.
Das aktuellste Problem sind aber die Kosovaren: Hier hat sich der Zuzug allein im Jänner gegenüber dem Vorjahr auf 3500 verfünffacht. Zehntausende sollen derzeit noch versuchen, nach Deutschland zu kommen, weil sie zu Hause keine wirtschaftlichen Perspektiven sehen und den Versprechungen der Schlepper erliegen.
Der Ansturm von Asylbewerbern belastet auch die große Koalition. CDU und CSU dringen darauf, den Kosovo und Albanien ebenso zu sicheren Herkunftsländern zu erklären wie im Vorjahr Serbien, Mazedonien und Bosnien. Das verzögert die SPD, die grüne und linke Opposition versucht das zu verhindern. Mit dem Schritt würde die Ablehnung der Wirtschaftsflüchtlinge als Asylwerber für die Einwanderungsbehörde wesentlich vereinfacht werden, weil die Einzelfallprüfung meist wegfiele.
Obwohl im Vorjahr zwei Drittel der Asylanträge abgelehnt wurden, ist mit weit mehr als 100.000 der größte Teil der Antragsteller aber immer noch im Land. Die Abschiebungen wurden zwar erhöht, allerdings liegt deren Zahl nur bei gut 10.000 Personen – das ist weniger als in der Schweiz.
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