Politik | Ausland
30.08.2018

SPD will Sarrazin aus der Partei haben

Sarrazin stellt am Donnerstag neues Buch vor. Kühnert: Er hat mit Grundwerten der SPD "schon lange nichts mehr zu tun"

Die Spitze der deutschen Sozialdemokraten hat den umstrittenen Bestsellerautor Thilo Sarrazin aufgefordert, aus der Partei auszutreten. "Thilo Sarrazin ist ein verbitterter Mann, der nur noch in der SPD ist, um seine absurden Thesen zu vermarkten", sagte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. "Was er schreibt, hat mit sozialdemokratischen Positionen nichts zu tun. Wer die Mitgliedschaft in der SPD nur noch für persönliches Gewinnstreben benutzt, sollte gehen." Die SPD ist bereits zweimal mit dem Versuch gescheitert, Sarrazin aus der Partei auszuschließen.

Einen neuen Anlauf forderte der deutsche Juso-Chef Kevin Kühnert: "Die Jusos sind klar für einen neuen Versuch, Sarrazin rauszuwerfen", sagte Kühnert der "Rhein-Neckar-Zeitung" von Donnerstag. Sarrazin habe mit den Grundwerten der SPD "schon lange nichts mehr zu tun", fügte Kühnert hinzu. Der frühere Berliner Finanzsenator und Bundesbank-Vorstand Sarrazin wird in der SPD seit längerer Zeit als islamfeindlich kritisiert, ein Parteiausschluss scheiterte jedoch zuletzt 2011. Die Bundes-SPD und weitere Antragsteller hatten damals ihre Anträge auf Ausschluss zurückgezogen, nachdem Sarrazin zugesichert hatte, sich künftig an die Grundsätze der Partei zu halten.

Anlässlich von Sarrazins neuem Buch - der Berliner Tagesspiegel nennt es "verletzend, grenz-rassistisch und manipulativ", die Süddeutsche Zeitung "das verlegerische Unglück dieses Jahres", das per "primitiver Koran-Exegese voller sachlicher Fehler" eine "Art eugenischen Weltbürgerkrieg" herbeischreibe und dem Focus fallen vor allem "Verallgemeinerungen, Übertreibungen und Unstimmigkeiten" auf - gibt es nun neue Bestrebungen für einen Parteiausschluss.

Der Wille in der gesamten SPD sei "groß, nach der Veröffentlichung des Buches einen neuen Anlauf für ein Parteiausschlussverfahren zu nehmen", hob Kühnert hervor. "Es geht nicht nur darum, das Thema Sarrazin endlich loszuwerden, sondern auch um eine scharfe Abgrenzung von seinen Thesen." Ein neuer Anlauf müsse aber "angesichts der hohen Hürden für einen Parteiausschluss gut vorbereitet sein", mahnte der Juso-Chef.

Sarrazin: "In SPD gut aufgehoben"

Angesichts von Bestrebungen in der SPD, den umstrittenen Publizisten Thilo Sarrazin auszuschließen, hat der frühere Berliner Finanzsenator seine Zugehörigkeit zu den Sozialdemokraten betont. Er fühle sich in der SPD, in der er seit 45 Jahren Mitglied sei, "nach wie vor gut aufgehoben", sagte Sarrazin am Donnerstag in Berlin.