Boris Johnson: Zu viel Inszenierung mit Corona-Zahlen?

© REUTERS/HANNAH MCKAY

Politik Ausland
05/10/2020

Statistikexperte kritisiert britische Regierung

David Spiegelhalter wirft der Politik in England ein "Zahlentheater" vor.

Ein von der britischen Regierung häufig zitierter Statistiker hat schwere Vorwürfe gegen deren Kommunikationsstrategie in der Corona-Krise erhoben. Die tägliche Vorstellung statistischer Daten gleiche eher dem "Zahlentheater" eines PR-Teams statt zu informieren, sagte Professor David Spiegelhalter von der Universität Cambridge der BBC am Sonntag.

"Ich wünsche mir einfach, dass die Zahlen von Leuten zusammengestellt werden, die ... Bescheid wissen", so der Wissenschafter. Der Statistiker war von der Regierung zitiert worden, um Kritik am Vorgehen in der Coronavirus-Pandemie zurückzuweisen.

Vergleiche von Staaten unseriös

Spiegelhalter hatte sich Ende April in einem Gastbeitrag in der Tageszeitung The Guardian gegen das direkte Gegenüberstellen von Opferzahlen verschiedener Länder ausgesprochen. Zu groß seien die Unterschiede in der Erhebung der Statistiken und die Gegebenheiten in den einzelnen Ländern.

Er wurde damit mehrfach von Regierungsmitgliedern - unter anderem Premierminister Boris Johnson - zitiert, als Großbritannien bei der offiziellen Zahl der Corona-Toten andere europäische Länder wie Spanien und zuletzt Italien überholte. In keinem anderen Land Europas wurden inzwischen mehr Tote gezählt als im Vereinigten Königreich. Bis Samstag waren es mehr als 31.500.

Spiegelhalter: Müssen von anderen lernen

Sein Gastbeitrag im Guardian sei jedoch kein Plädoyer dafür gewesen, überhaupt keine Vergleiche anzustellen, sagte Spiegelhalter der BBC. "Was in diesem Land passiert ist, ist nicht unvermeidbar, es bedeutet nicht, dass es so kommen musste", so der Forscher. Er habe sich nur dagegen ausgesprochen, eine Rangliste wie beim Eurovision-Song-Contest zu erstellen. Großbritannien könne aus dem Vergleich mit anderen Ländern lernen.

Warnsystem für Großbritannien kolportiert

Johnson will am Sonntagabend einen Plan für das weitere Vorgehen in der Corona-Krise vorstellen. Medienberichten zufolge gehört dazu ein mehrstufiges Warnsystem. Mit weitgehenden Lockerungen der Kontaktbeschränkungen wird in Großbritannien derzeit noch nicht gerechnet.

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