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Politik | Ausland
04/03/2019

Christchurch-Attentäter spendete mehrmals an Identitäre

2017 soll der Mann insgesamt vier Überweisungen an die rechtsextreme Organisation "Generation Identitaire" getätigt haben.

Die Verbindung von Österreichs Identitären-Chef Sellner mit dem Attentäter von Neuseeland beschäftigte Kanzler und Vizekanzler heute sogar unfreiwillig im Pressefoyer nach dem Ministerrat. Nachdem Strache dabei noch zu beruhigen versucht hatte und betonte, er sei lange in der Politik und trete für „Versachlichung statt Übertreibung" ein, sorgte wenige Stunden später ein Medienbericht für Aufsehen.

Der mutmaßliche Attentäter von Christchurch hat demnach mehrmals an die Identitäre Bewegung in Europa gespendet. Schon im Herbst 2017 soll er insgesamt vier Überweisungen an die rechtsextreme Organisation "Generation Identitaire" getätigt haben.

Dies berichtet die Tageszeitung Der Standard unter Berufung auf mit den Ermittlungsergebnissen des deutschen Bundeskriminalamts vertraute Personen laut Vorausmeldung in ihrer Donnerstagsausgabe. Auch der österreichische Verfassungsschutz verfüge über diese Informationen, wurde dem Standard demnach erklärt. Die Informationen stammten offenbar direkt aus Neuseeland, heißt es in dem Bericht.

Ob mit "Generation Identitaire" der französische Ableger der Identitären gemeint ist oder ob die Spenden an verschiedene Landesorganisationen gingen, ist demnach noch unklar. Die deutschen Behörden gingen von Frankreich aus, für den Verfassungsschutz sei diese Frage noch offen, hieß es.

Regierung prüft Auflösung

Die "Identitäre Bewegung Deutschland" habe bisher dementiert, Geld vom mutmaßlichen Attentäter erhalten zu haben, die Identitäre Bewegung Österreich (IBÖ) nur auf die Anfang 2018 getätigte Spende an Martin Sellner, den Chef der rechtsextremen Bewegung in Österreich, verwiesen. Nach Bekanntwerden der Überweisung in Höhe von rund 1.500 Euro wird der Bundesregierung zufolge die Auflösung mehrerer Vereine der Identitären überprüft und gegen Sellner ermittelt. Auf KURIER-Anfrage erklärte die Staatsanwaltschaft Graz, über keine weiteren Überweisungen als die bereits bekannte informiert zu sein.

Dem Standard zufolge ist Tarrant durch Investments in Kryptowährungen reich geworden und verfügte offenbar über bis zu 200.000 australischen Dollar (rund 126.000 Euro). Mit seinem Vermögen habe er Rechtsextreme unterstützt, eine weitere Spende an die australische "United Patriot Front" (UPF) soll bisher bekannt gewesen sein, berichtete die Tageszeitung.

Bevor der gebürtige Australier und mutmaßliche Terrorist in zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch am 15. März fünfzig Muslime ermordete, bereiste er Anfang Dezember aus Ungarn kommend Österreich und soll sich Medienberichten zufolge danach rund eine Woche lang im Baltikum aufgehalten haben.

Bezüglich der Nordkorea-Reise Tarrants, die 2014 gemeinsam mit drei Österreichern stattgefunden haben soll, gibt es laut "Standard" bisher keine neuen Erkenntnisse. Die Behörden seien am Ermitteln, ob es Kontakte zu extremistischen Personen, Gruppierungen oder Netzwerken in Österreich gegeben habe, berichtete Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) am vergangenen Donnerstag dem Nationalrat.