Brexit-Warnung: Obama sorgt für Empörung in London
Am 23. Juni ist D-Day für Großbritannien, die Europäische Union, ja, die Welt. Dann entscheiden die Briten, ob sie den Brexit vollziehen und künftig die Insel ohne Brüsseler Hilfe weiterverwalten. Für viele Ökonomen und EU-Anhänger im Vereinigten Königreich ein Horror-Szenario; für die zahlreichen Brexit-Befürworter aber das ersehnte Ziel.
Die EU habe geholfen, britische Werte und Praktiken von der Demokratie bis zu offenen Märkten bis an den Rand des Kontinents zu verbreiten. Und auch in Zukunft werde ein starkes Europa die "globale Führungsrolle Großbritanniens nicht bedrohen, sondern steigern".
"Heuchelei"
Die EU-Gegner waren not amused von Obamas Werbung. Nigel Farage, Chef der UK Independence Party (UKIP), rief den US-Präsidenten auf, sich aus den britischen Belangen "herauszuhalten". Ex-Kabinettsminister Iain Duncan Smith von Camerons in der Brexit-Frage gespaltenen Konservativen bezeichnete Obamas Intervention als "unangemessen". Beide bedienen die verbreitete Sorge, London sei Washingtons Schoßhündchen. Schon vor Obamas Landung hagelte es diesbezüglich Kritik. Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson, ebenfalls ein Brexit-Befürworter unter den Konservativen, bezeichnete es als "empörend", dass die USA in dem britischen Referendum Position beziehen. Johnson verbat sich in der Boulevardzeitung „Sun“ Belehrungen aus Übersee und warf Obama Heuchlerei vor. Die USA würden nie einer solchen Einschränkung ihrer Souveränität zustimmen, schrieb er.
Medienberichten zufolge machten zudem mehr als hundert Parlamentarier ihrem Unmut in einem Brief an den US-Botschafter in London Luft. Premier David Cameron wirbt für den Verbleib in der EU. Er rückte am Freitag sogar aus, um Obama gegen die Kritik zu verteidigen. "Die USA sind einer unserer engsten Verbündeten. Deshalb ist es wichtig zu hören, warum er sagt, dass wir in der EU bleiben sollten", teilte Cameron via Twitter mit. Auf Cameron geht die Durchführung der Volksabstimmung übrigens zurück.
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