Berlusconi: "Wie jüdische Familien unter Hitler"

Silvio Berlusconi spricht in ein Mikrofon.
Empörung in der jüdischen Gemeinde Italiens: Der Ex-Premier stellt sich und seine Familie als "Verfolgte" dar.

Der rechtskräftig wegen Steuerbetrugs verurteilte Ex-Premier Silvio Berlusconi will Italien auch im Fall seines Ausschlusses aus dem Parlament und dem Verlust seiner Immunität nicht verlassen. „Ich bin ein 100-prozentiger Italiener. In Italien habe ich meine Wurzeln. In Italien bin ich das geworden, was ich bin. Ich bin hier Unternehmer, Mann des Sports und Politiker. Das ist mein Land, das Land, das ich liebe. Ich ziehe es nicht einmal in Erwägung, Italien zu verlassen“, sagte Berlusconi im Gespräch mit dem italienischen Starjournalisten Bruno Vespa.

Auch seine Kinder würden unter seiner Verurteilung sehr leiden. „Sie behaupten, sie begreifen jetzt, wie sich die jüdischen Familien in Deutschland unter Hitler gefühlt haben müssen. Alle sind gegen uns“, so Berlusconi. Seit seiner Verurteilung am 1. August sei er zutiefst empört, ein Gefühl, das ihn seither nicht verlassen habe, sagte Berlusconi. „Ich denke, wie stark meine Eltern leiden würden, wären sie noch am Leben. Ich will mich mit derselben Würde verhalten, die sie mir gelehrt haben“, erklärte der 77-jährige Politiker und Medienmogul.

"Unangebracht und beleidigend"

Die Empörung in der jüdischen Gemeinde und den linken Parteien ist groß. Der Vergleich sei "unangebracht, unbegreiflich und beleidigend für diejenigen, die nach unsagbarem Leid jegliches Recht und auch das eigene Leben verloren haben“, kritisierte der Präsident der jüdischen Gemeinden in Italien, Renzo Gattegna. „Die Republik Italien ist ein demokratischer Staat. Das Deutschland unter dem Nazi-Regime war eine grausame Diktatur unter Kontrolle von Kriminellen, die abscheulichste Verbrechen gegen die Menschheit begingen", schrieb Gattegna. Jeglicher Vergleich mit der Situation der Familie Berlusconis sei unangebracht und beleidigend.

Berlusconi zeigt eine obszöne Respektlosigkeit gegenüber den Juden unter Hitlers Regime. Seine Kinder sollten sagen, ob sie wirklich so denken, wie ihr Vater behauptet. Keine Person mit Verantwortungsbewusstsein sollte einen Vergleich dieser Art wagen“, kritisierte auch der Parlamentarier der Demokratischen Partei (PD), Edoardo Patriarca. „Berlusconis Vergleich ist unannehmbar: Er ist kein Verfolgter, sondern untersteht wie alle Italiener dem Rechtsstaat“, meinte der Mitte-links-Politiker Alessandro Zan. Der Mitte-rechts-Chef sollte sich bei der jüdischen Gemeinschaft entschuldigen.

Rückendeckung erhielt Berlusconi von Mitgliedern seiner Mitte-rechts-Partei „Volk der Freiheit“ (PdL). „Die Reaktion der Linken angesichts des Gemütszustands Berlusconis ist übertrieben und wird für politische Zwecken instrumentalisiert. Die Linke überprüft jedes Wort Berlusconis, um daraus einen Skandal zu machen“, betonte der PdL-Parlamentarier Luca D ´Alessandro.

Ausschluss

Der italienische Senat entscheidet am 27. November über einen Ausschluss des früheren Ministerpräsidenten aus der zweiten Parlamentskammer. Ein Ausschuss des Senats hatte bereits Anfang Oktober empfohlen, Berlusconi sein Mandat als Senator zu entziehen. Damit verlöre er auch seine Immunität als Parlamentarier, die ihn vor Festnahmen schützt. Dies könnte in weiteren Verfahren von Bedeutung sein, die noch gegen Berlusconi laufen. Unter anderem wird ihm Sex mit einer Minderjährigen vorgeworfen.

Berlusconis Probleme mit der Justiz

Silvio Berlusconi hält sich vor dem Schriftzug „ITALIA“ die Hand an die Stirn.

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Ein Porträt von Silvio Berlusconi, der über seine Schulter blickt.

SILVIO BERLUSCONI SITS IN COURT
Berlusconi: "Wie jüdische Familien unter Hitler"

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Silvio Berlusconi gestikuliert mit geballter Faust.

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Ein Mann steckt sich einen Stift in den Mund.

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Silvio Berlusconi winkt aus dem Fenster eines Autos.

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Silvio Berlusconi lächelt und klatscht in die Hände.

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Silvio Berlusconi vor einem Gemälde mit einer liegenden Frau.

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Ein zusammengesetztes Bild zeigt eine Frau und Silvio Berlusconi.

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Silvio Berlusconi blickt nach oben.

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Nahaufnahme von Silvio Berlusconi mit ernstem Gesichtsausdruck.

Leader of Forza Italia party Berlusconi arrives to

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