Politik | Ausland
11.05.2018

Attacke auf Studenten in Nicaragua: Ein Toter, elf Verletzte

Studenten besetzten gut ein Monat lang das Gebäude der polytechnischen Universität. Nun wurde es gestürmt.

In Nicaraguas Hauptstadt Managua haben Bewaffnete ein von protestierenden Studenten seit drei Wochen besetztes Universitätsgebäude angegriffen. Dabei sollen eine Person getötet und mindestens elf Menschen verletzt worden sein, sagte ein Sprecher der Studenten in der Nacht auf Freitag (Ortszeit). Hinter dem Angriff vermuten die Studenten eine von der Regierung geschickte Truppe.

Die Proteste gegen Staatschef Daniel Ortega hatten sich Mitte April an einer umstrittenen Reform der Sozialversicherung entzündet. Obwohl Ortega diese zurückzog, fordern Demonstranten weiter seinen Rücktritt und den seiner Frau, Vizepräsidentin Rosario Murillo.

Die Angreifer seien in Zivil gekleidet gewesen und hätten bei ihrer Attacke auf die Polytechnische Universität (Upoli) im Norden Managuas verschiedene Waffen bei sich gehabt, berichtete ein Studentensprecher dem TV-Sender Canal 15.Die Studenten machen Mitglieder der Sandinistischen Jugend oder Polizisten in Zivil waren, für den Angriff verantwortlich." Die Verletzten, darunter Studenten und Anrainer, würden in private Krankenhäuser gebracht. Von Seiten der Polizei oder anderer Behörden gab es zunächst keine Informationen.

Die Regierung Nicaraguas ihrerseits hatte am Donnerstag ihre Bereitschaft für einen nationalen Dialog mit zivilen Organisationen signalisiert, bei dem sie die katholische Kirche als Vermittler einschalten will. Noch ist allerdings kein Dialog zustande gekommen. Sie warte  darauf, dass die Bischofskonferenz des Landes dafür Vertreter ernenne, die die Gespräche begleiten sollen, hieß es von Vizepräsidentin Murillo. Ob die Opposition ebenfalls an dem Dialog teilnimmt, ließ die Vizepräsidentin offen.

Nach Angaben von Menschenrechtlern kamen bei den Auseinandersetzungen mehr als 60 Menschen ums Leben. Die Regierung sprach jedoch von nur etwa zehn Toten.

Der frühere Rebellenkommandant Ortega hatte bereits nach dem Sieg der sandinistischen Revolution von 1985 bis 1990 Nicaragua regiert und war 2007 an die Macht zurückgekehrt. Ortega hat sich von seinen sozialistischen Idealen verabschiedet und fährt mittlerweile einen eher neoliberalen Wirtschaftskurs. Kritiker werfen ihm vor, eine autoritäre Familiendynastie an der Staatsspitze zu etablieren und öffentliche Gelder über dunkle Kanäle in die Taschen seines Clans zu leiten.