Politik | Ausland
05.06.2018

Wegen Atomprogramms: Israel droht mit Angriff auf Iran

IAEA wurde über neue Zentrifugen zur Urananreicherung informiert - man wolle aber im Rahmen des Atomabkommens bleiben.

Der Iran will seine Kapazitäten zur Anreicherung von Uran erhöhen. Der Staat hat die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien informiert, dass man die Zahl seiner Zentrifugen zur Urananreicherung erhöhen wird. Ein entsprechender Brief sei am Montag übergeben worden.

Israel reagierte auf diese Ankündigung mit aller Schärfe. Der iranische Plan der unbegrenzten Urananreicherung wurde mit einer Drohung von Regierungschef Benjamin Netanjahu quittiert. Er droht dem Iran mit einem militärischen Angriff. Der Iran wolle "ein Arsenal von Atombomben" produzieren, um Israel zu zerstören, sagte Netanjahu am Dienstag in einer Videobotschaft. Man werde "dem Iran nicht gestatten, sich Nuklearwaffen zu verschaffen".

US-Kehrtwende

Die USA waren vor wenigen Wochen aus der zuvor gelungenen historischen Einigung zwischen verschiedenen Weltmächten und dem Iran wieder ausgestiegen. Die Amerikaner hatten den in Wien geschlossenen Atomvertrag von 2015 aufgekündigt und wollen wirtschaftliche Sanktionen wieder in Kraft setzen, von denen auch europäische Firmen betroffen sein könnten. Die anderen Mitunterzeichner Großbritannien, Frankreich, Deutschland, China und Russland halten an dem Vertrag fest.

Die deutsche Regierung setzt nun darauf, dass es bei den US-Sanktionen gegen Firmen mit Iran-Geschäft Ausnahmen geben kann. Die EU-Kommission prüfe, wie man europäische Firmen schützen könne, die nach dem US-Ausstieg aus dem Atomabkommen mit Iran weiter Geschäft betreiben wollten.

Iran: Halten uns an Abkommen

Der iranische Vize-Präsident Ali Akbar Salehi sagte, dass die iranischen nuklearen Aktivitäten im Rahmen des internationalen Atomabkommens von 2015 bleiben würden. Der Iran hatte in der Folge des Atomabkommens die Zahl seiner Zentrifugen in Natanz und der Urananreicherungsanlage Fordo deutlich reduziert. Zudem sagte er zu, Uran nicht länger auf 20 Prozent anzureichern. Die Anreicherung auf 20 Prozent ist ein wichtiger Schritt zur Produktion von atomwaffenfähigem Uran.

Khamenei: Lassen uns nicht aufhalten

Das Oberhaupt der Islamischen Republik, Ayatollah Ali Khamenei, sagte am Montag, er habe für den Fall, dass neben den USA auch andere Staaten aus dem Deal aussteigen, einen Ausbau der Anreicherungskapazitäten angeordnet. "Unsere Feinde können unseren nuklearen Fortschritt niemals aufhalten" sagte er in einer im Fernsehen übertragenen Rede.

Israel alarmiert

In Israel sorgt dies nach der Freude über den US-Ausstieg aus dem Atomabkommen für große Sorge. Geheimdienstminister Israel Katz erklärte, wenn die Führung in Teheran ihr Programm zur Entwicklung von Atomwaffen wieder aufnehme, werde "eine internationale Koalition unter US-Führung den Iran vorwarnen und dann militärisch angreifen". Verteidigungsminister Avigdor Lieberman nannte die Ankündigung Teherans "ein Zeichen von Massenhysterie und Panik innerhalb der iranischen Führung".