Politik | Ausland
12.10.2018

Apartheid-Außenminister Pik Botha mit 86 Jahren gestorben

"Guter Mann in schlechter Regierung" war 17 Jahre Südafrikas Chefdiplomat. Friedensnobelpreisträger Tutu aus Krankenhaus entlassen

Südafrikas ehemaliger Außenminister Roelof "Pik" Botha ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Das langjährige Mitglied der Apartheidregierung sei in der Nacht auf Freitag im Schlaf gestorben, sagte sein Sohn Piet Botha der Nachrichtenseite News24 am Freitag. Demnach war sein Vater in den vergangenen Wochen "sehr krank" gewesen, "und sein Körper konnte einfach nicht mehr".

Botha war 17 Jahre Außenminister Südafrikas, bis zum Ende der Apartheid im Jahr 1994. Nach der ersten demokratischen Wahl übernahm er den wichtigen Posten des Bergbau- und Energieministers im Kabinett von Nelson Mandela. 1996 trat er in den Ruhestand. In einem Interview mit dem britischen Sender BBC aus dem Jahr 2013 bezeichnete er den ehemaligen Freiheitskämpfer Mandela einmal als "Retter".

Obwohl Botha jahrelang das Apartheid-System in der ganzen Welt verteidigt hatte, wurde er häufig als "guter Mann, der für eine schlechte Regierung arbeitet", bezeichnet. Mehrmals geriet er mit der kompromisslosen Regierung unter Präsident P. W. Botha aneinander, mit dem er nicht verwandt war. Präsident Cyril Ramaphosa sagte, dass Botha "für seine Unterstützung von Südafrikas Übergang zur Demokratie und seine Dienste in der ersten demokratisch gewählten Regierung" in Erinnerung bleiben werde. "Es ist nicht immer einfach und leicht, Einstellungen und Denkweisen zu ändern, aber letztlich haben sie sich verändert", sagte Botha der BBC 2013.

Friedensnobelpreisträger Tutu aus Krankenhaus entlassen

Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu ist unterdessen nach gut zwei Wochen wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Der 87-Jährige sammle nun zuhause wieder seine Kräfte, erklärte sein Büro am Freitag. Der frühere Erzbischof und Anti-Apartheid-Kämpfer war am 27. September für nicht näher erläuterte Untersuchungen in einem Krankenhaus in Kapstadt aufgenommen worden.

Damals hieß es, er solle "in einigen Tagen" wieder zuhause sein. Tutu verpasste wegen seines Krankenhausaufenthalts auch eine Rede, die Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa vergangene Woche anlässlich seines Geburtstags hielt.

 Bei Tutu war 1997 Prostata-Krebs diagnostiziert worden. Vor zwei Jahren war er mehrfach infolge einer Infektion im Krankenhaus gewesen, die auf eine frühere Krebsbehandlung zurückging. Der Geistliche bekam für seinen Kampf gegen das rassistische Apartheid-Regime in Südafrika 1984 den Friedensnobelpreis. Nach dem Übergang zur Demokratie 1994 wurde Tutu von Präsident Nelson Mandela zum Vorsitzenden der Wahrheits- und Versöhnungskommission bestimmt. Diese arbeitete die Verbrechen des Apartheid-Regimes auf.