Politik | Ausland
11.08.2018

Anti-Regierungsdemo in Bukarest: ORF-Team von Polizei attackiert

Kameramann verprügelt, Kurz und Wrabetz: "Inakzeptabel". 100.000 Menschen demonstrierten gegen Korruption. Mehr als 450 Verletzte.

In der rumänischen Hauptstadt fällt die Bilanz der Polizeigewalt vom Vorabend gegen die rund 100.000 demonstrierenden Regierungsgegner verheerend aus: 452 Menschen wurden verletzt und mussten notverarztet werden, 65 - darunter elf Polizisten - wurden mit teils schweren Verletzungen in Krankenhäuser gebracht. Ganz Rumänien stand am Samstag unter Schock.

Die Bilder, die die Fernsehsender in Endlosschleifen zeigen, sind dramatisch: Polizisten knüppeln wahllos friedliche Demonstranten nieder, schleudern Tränengasgranaten in Menschengruppen mit Kindern, sprühen älteren Personen Pfefferspray ins Gesicht, traktieren Demonstrantinnen mit Fäusten und Fußtritten. Tätlich angegriffen wurden auch zahlreiche in- und ausländische Journalisten, darunter auch ein ORF-Team - trotz sichtbar getragener Presseausweise oder, in einem Fall, sogar erhobener Hände.

Das ORF-Team drehte gerade, als die Polizei gegen gewaltbereite Protestierende in der Nähe vorging. Wie Korrespondent Ernst Gelegs in der "ZIB 24" schilderte, wurde ein Kameramann von der Polizei mit Schlagstöcken verprügelt. Der Österreichische Journalisten Club (ÖJC) verurteilte das gewaltsame Vorgehen am Samstag in einer Aussendung.

Als Vorwand für ihr brutales Vorgehen bei der Großdemo der Auslandsrumänen dienten der rumänischen Polizei einige Dutzend Rowdies, aller Wahrscheinlichkeit nach Ultras Bukarester Fußball-Clubs, die sich unter die Demonstranten gemischt und sich von dort ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Ordnungshütern geliefert hatten. Die rumänische Polizei versuchte jedoch erst gar nicht, die wenigen Störenfriede zu isolieren und abzuführen, sondern nutzte deren aggressives Verhalten, um gegen die Protestler insgesamt vorzugehen und die Großdemo brutal aufzulösen.

Kanzler erwartet "volle Aufklärung"

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) verurteilt die gewaltsamen Zusammenstößen in der rumänischen Hauptstadt Bukarest scharf und erwartet "volle Aufklärung".

Auch der Österreichische Rundfunk ( ORF) hat auf das gewaltsame Vorgehen der rumänischen Sicherheitskräfte gegen Journalisten in Bukarest mit Unmut reagiert. In einer Presseaussendung hieß es am Samstag, der ORF protestiere "auf das Schärfste" gegen die Vorgehensweise, die laut Generaldirektor Alexander Wrabetz "auch in einer Ausnahmesituation wie dieser keinesfalls zu akzeptieren ist".

Bilder von der Großdemo in Bukarest

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Die bürgerliche und liberale Opposition forderte am Samstag in der Früh den umgehenden Rücktritt von Innenministerin Carmen Dan (Postsozialisten - PSD) und der gesamten Polizeileitung. Die Polizei sei "wie eine Kriegsmaschine" gegen die überwiegend friedlich demonstrierenden Menschen vorgegangen, nicht wie "Ordnungshüter im Dienste der Bürger", sagte Liberalen-Chef Ludovic Orban.

Ex-Premier: "Dragnea hat eigenem Volk Krieg erklärt"

Die bürgerliche USR forderte die sofortige Offenlegung aller bei dem blutigen Polizeieinsatz ergangener Befehle. Klare Worte fand auch der frühere Premierminister und Ex-PSD-Chef Victor Ponta: "Liviu Dragnea und seine Regierung haben dem eigenen Volk den Krieg erklärt", ihr Vorgehen sei "abscheulich und kriminell" gewesen und dürfe nicht ohne Folgen bleiben.

Die rumänische Zivilgesellschaft kündigte indes an, sich nicht einschüchtern lassen zu wollen: "Heute Abend gehen wir erneut auf die Straße. Für Freiheit. Für unser Land. Gegen Korruption. Ihr entkommt uns nicht", lautete ihr Aufruf.