Politik | Ausland
19.05.2018

Anschlag auf Stadion in Afghanistan bei Cricket-Spiel

Mindestens acht Menschen starben, weitere 45 Personen wurden verletzt. 140.000 Schüler können derzeit nicht in die Schule.

Bei einem Anschlag während eines Cricket-Spiels in einem Stadion in Afghanistan sind am Freitagabend mindestens acht Menschen getötet worden. Mindestens 45 weitere Menschen wurden bei der Tat in der ostafghanischen Stadt Jalalabad verletzt, wie das Büro des Provinzgouverneurs am Samstag mitteilte. Demnach ereigneten sich mehrere Explosionen inmitten der Zuschauer, die den "Ramadan-Cup" verfolgten.

Afghanistans Präsident Ashraf Ghani verurteilte die Bluttat am ersten Freitag des islamischen Fastenmonats. "Die Terroristen hören nicht einmal während des heiligen Monats Ramadan auf, unser Volk zu töten", sagte er. "Mit dem terroristischen Angriff in einem vollen Sportstadion haben sie einmal mehr gezeigt, dass sie nicht einem Glauben oder einer Religion verpflichtet sind, sondern dass sie der Feind der Menschheit sind."

Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Die radikalislamischen Taliban, die immer wieder Anschläge in Afghanistan verüben, wiesen im Messenger-Dienst WhatsApp die Verantwortung von sich. Jalalabad ist die Hauptstadt der an Pakistan angrenzenden Provinz Nangarhar. Hier ist neben den Taliban die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) präsent, die in der Vergangenheit für mehrere schwere Anschläge in Afghanistan die Verantwortung übernommen hatte.

Der in der Region beliebte Cricket-Sport war von der Taliban-Regierung in den 1990er Jahren verboten worden. Die Gruppierung betrachtet Sport als Ablenkung von religiösen Pflichten. Seit dem Sturz der Taliban 2001 hat Cricket wieder deutlich an Zuspruch gewonnen.

400 Schulen geschlossen

Die afghanische Regierung hat nach schweren Kämpfen in der westafghanischen Provinz Farah dort Hunderte Schulen geschlossen. Die Maßnahme sei zum Schutz von Schülern und Lehrern erfolgt, sagte der stellvertretende Leiter des Bildungsministeriums in der Provinzhauptstadt, Mohammed Sadik Halimi, am Samstag. Sie betreffe 411 Bildungsstätten, unter anderem 397 Grund- und 32 weiterführende Schulen.

Damit hätten derzeit 140 000 Schüler keinen Zugang zu Bildung. Die Schulen sollen erst einmal bis zum Ende des Fastenmonats Ramadan Mitte Juni geschlossen bleiben. Landesweit waren nach Angaben des Bildungsministeriums in Kabul schon zuvor mehr als 1000 Schulen wegen des Krieges mit den radikalislamischen Taliban geschlossen.

Erst am Dienstag hatten die Taliban es in fast 24-stündigen Gefechten geschafft, in die Provinzhauptstadt von Farah einzudringen und Regierungsgebäude im Zentrum zu erobern. Rund 35 Sicherheitskräfte, vier Zivilisten und rund 300 Taliban sollen dabei ums Leben gekommen sein. Seitdem gab es weitere Angriffe.

Es war nach dem Fall der nordafghanischen Stadt Kunduz im Herbst 2015 erst das zweite Mal, dass den Taliban die - wenn auch kurzzeitige - Eroberung einer Provinzhauptstadt gelungen war. Seit dem Ende der NATO-Kampfmission im Dezember 2014 sind sie rasant stärker geworden und kontrollieren nach Militärangaben heute mindestens 14,3 Prozent des Landes. 30 Prozent sollen umkämpft sein.