Politik | Ausland
15.08.2018

45 Todesurteile sieben Jahre nach Anti-Gaddafi-Protesten in Libyen

Wegen Schüssen auf Demonstranten in der Hauptstadt Tripolis im August 2011.

Ein libysches Gericht hat 45 Menschen zum Tode verurteilt. Ihnen wurde zur Last gelegt, im August 2011 in der Hauptstadt Tripolis mit scharfer Munition auf Menschen geschossen zu haben, die gegen den damaligen Machthaber Muammar al-Gaddafi protestierten.

54 Angeklagte seien zu Haftstrafen von fünf Jahren verurteilt und 22 weitere freigesprochen worden, teilte das libysche Justizministerium am Mittwoch mit.

Februar 2011

Die Proteste gegen den damaligen Langzeitmachthaber Gaddafi hatten Anfang Februar begonnen. Daraus entwickelte sich ein bewaffneter Konflikt. Am 22. August 2011 hatten sich Rebellen bis ins Stadtzentrum von Tripolis vorgekämpft. Gaddafi und sein Führungszirkel mussten aus ihrem Hauptquartier flüchten. Zwei Monate nach seinem Sturz wurde Gaddafi am 20. Oktober von Milizionären getötet.

Chaos nach Gaddafis Tod

Nach dem Tod Gaddafis versank Libyen im Chaos. Unzählige bewaffnete Milizen bekämpfen sich gegenseitig. Die international anerkannte Regierung in Tripolis konnte ihren Einfluss kaum über die Hauptstadt hinaus ausdehnen. Sie konkurriert mit einer Regierung im Osten des Landes. Beide werden von schwerbewaffneten Milizen unterstützt. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat das politische Machtvakuum ausgenutzt und eine Basis in Libyen aufgebaut. Seit Gaddafis Sturz ist Libyen zu einer Hauptbasis für Menschenschmuggler geworden.