Lisel Heise

© REUTERS/RALPH ORLOWSKI

Politik Ausland
05/29/2019

100-Jährige setzt sich für Freibad ein und ist jetzt Stadträtin

Als das Schwimmbad in ihrer Gemeinde geschlossen wurde, ging Lisel Heise in die Politik.

von Susanne Bobek

Das Schwimmbad in ihrer Gemeinde wurde geschlossen. Deshalb ging die Lehrerin in die Politik. „Wenn ich nicht reden könnte, hätte ich den ganzen Zirkus nicht gemacht“, sagt Lisel Heise, die älteste Stadträtin Deutschlands. Mit ihren rüstigen 100 Jahren wurde die ehemalige Lehrerin in den Stadtrat im rheinland-pfälzischen Kirchheimbolanden gewählt. Sie bekam die meisten Vorzugsstimmen auf der Liste „Wir für Kibo“: 991 genau in einer Stadt mit knapp 8000 Einwohnern. Damit rückte sie von Listenplatz 20 auf Platz 1 vor und erhielt damit eines von zwei Mandaten.

Jetzt holen Lisel Heise auch russische TV-Teams vor die Kamera, denn das Wahlergebnis vom Sonntag sorgt auf der ganzen Welt für Staunen und Bewunderung. Die alte Dame weist ihre Zuhörer resolut darauf hin, dass ihre Ohren nicht mehr die Besten sind. Aber sonst wirkt sie wie eine fite 70-Jährige.

Politisch aktiv wurde sie mit 92 Jahren, als im Jahr 2011 ihr heiß geliebtes Freibad aus Kostengründen geschlossen werden musste. Das passte Lisel Heise nicht. Mit den Jahren zweifelte sie immer stärker an den Beschlüssen in ihrer kleinen Stadt, und so zog sie aus, um den Stadtrat zu erobern.

„Die Politik hat sich vom Humanismus zum Kapitalismus entwickelt“, sagt Lisel Heise. Zudem entziehe die Politik dem menschlichen Köper das, was für ihn wichtig sei. Das schlimmste Zeichen sei für sie die Schließung des Freibads im Ort gewesen.

Recht auf Schwimmen

Dabei brauche doch der Mensch wie jedes Lebewesen das Wasser. Für sie sei Schwimmen ein „Lebenselixier“. Mit ihrer Liste „Wir für Kibo“, die Abkürzung für Kirchheimbolanden, will sie sich dafür einsetzen, dass „Kibo“ ein neues Freibad bekommt.

In ganz Deutschland müssen immer mehr Freibäder schließen, weil viele Gemeinden überschuldet sind und das Geld anderweitig – etwa für Kinderbetreuung – ausgeben müssen.

Mit der ehemaligen Lehrerin ist da nicht zu verhandeln. Denn neben dem Freibad liegen ihr ja besonders die Kinder am Herzen. „Die Jugend ist hier in das zweite Glied abgeschoben worden“, sagt Heise. Sie will deshalb einen Jugendtreff installieren.

Vor der Wahl sagte sie noch: „Mir geht’s in erster Linie nicht um den Erfolg, sondern darum, das Richtige zu tun. Ich will den Mund aufmachen, solange ich noch Kraft habe.“ Nach der Wahl sieht das anders aus. Der Erfolg, also der Bau eines neuen Freibades ist Lisel Heise wichtig. Die Eröffnung will sie noch erleben.