Aufstehen oder sitzen bleiben?

Der KURIER hat bei Fachleuten aus der Bildungsszene nachgefragt ob sie oder warum sie nicht unterschreiben werden.

Claudia Schmied, SPÖ, Unterrichtsministerin

„Ich unterschreibe das Volksbegehren Bildungsinitiative, weil schon allein die Debatte über das Volksbegehren in den vergangenen Monaten sehr viel Rückenwind für meine Reformvorhaben gebracht hat. Und ich erhoffe mir, dass das Volksbegehren nun weiteren Rückenwind für die notwendigen Reformprojekte bringen wird.“ Karlheinz Töchterle, ÖVP, Wissenschaftsminister

Uni- und Forschungs-Minister Karlheinz Töchterle will zu den Inhalten des Volksbegehrens nicht viel sagen; unterstützen wird er es jedenfalls schon aus einem formellen Grund nicht, wie er sagt: „Ich werde das Volksbegehren Bildungsinitiative nicht unterschreiben, weil ich damit ja ein Begehren an mich selber unterschreiben würde.“ Christoph Badelt, Rektor der WU Wien

„Ich unterstütze das Volksbegehren, weil es das generelle Anliegen, mehr für die Bildung zu tun, gut transportiert. Obwohl ich mir für die Universitäten mehr Forderungen gewünscht hätte. Ich hoffe, dass viele Studenten unterschreiben und ein großer gesellschaftlicher Druck entsteht, politische Bekenntnisse, mehr zu tun, Realität werden zu lassen.“ Heinz Engl, Rektor Universität Wien

„Ich unterschreibe, weil ich eine deutlich bessere Finanzierung der Universitäten für mitentscheidend für die Zukunft des Landes halte. Nicht alle Forderungen halte ich aber für gleich wichtig und richtig. Volksbegehren werden von Personen, nicht von Institutionen unterschrieben; eine ,offizielle Position‘ der Universität Wien kann und soll es also nicht geben.“ Conny Kolmann, Bundesschulsprecherin

„Prinzipiell finde ich das Volksbegehren eine echt coole Sache, weil sich im Bildungsbereich etwas tut. Aber einige Punkte, zum Beispiel die gemeinsame Schule bis zum Ende der Schulpflicht, stimmen nicht mit unseren Positionen überein. Wenn ich nicht hinter allen Punkten stehen kann, fällt es mir schwer, etwas zu unterstützen.“ Eleonora Kleibel, Aktion kritischer Schülerinnen

„Ich werde das Volksbegehren Bildungsinitiative auf jeden Fall unterschreiben, weil es viele wichtige Punkte anspricht. Eine positive Auswirkung ist schon, dass die Leute mehr über Bildung nachdenken. Die Forderungen des Volksbegehrens sind richtig, es wäre allerdings ausbaufähig gewesen, was die Mitbestimmungsrechte der Schüler angeht.“ Janine Wulz, Vorsitzende der Hochschülerschaft

„Ich unterschreibe – aber mit Bauchweh. Denn es gibt einige kritische Punkte: Zugangsbeschränkungen sind nicht ausgeschlossen, Punkte wie Demokratisierung von Hochschulen und Schulen oder die soziale Absicherung von Lernenden fehlen. Die Forderungen nach Gesamtschule und mehr Geld für die Bildung gehen aber in die richtige Richtung.“ Raphaela Keller, Verband Kindergartenpädagogen

„Ich habe schon bei erster Gelegenheit die Unterstützungserklärung unterschrieben, weil ich mir erwarte, dass unser Bildungssystem vom Kindergarten an endlich kindgemäß reformiert wird. Weg von der Defizitbetrachtung, was Kinder nicht können, hin zu ihren Talenten, was sie können. Mit denen muss sorgsamer umgegangen werden.“ Günter Schmid, erster Direktor Popper-Schule

„Ich werde nicht unterschreiben, weil ich unsere Bildung vor dem Schicksal bewahren möchte, das Gesamtschul-Länder in ganz Europa erleiden. Dort geht alles den Bach hinunter, die Jugendlichen sind zwei Jahre zurück. Ich will den Status quo verbessern – das Volksbegehren tut das Gegenteil.“

Schmid war Gründungsdirektor der Sir- Karl-Popper-Schule in Wien (’98–’09).

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(KURIER) Erstellt am
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