Politik
12/05/2011

"Auf ein Drittel der Tier-Antibiotika verzichten"

In Deutschland sorgt der Antibiotika-Einsatz bei Nutztieren für heftige Diskussionen.

Auf 42 Prozent von Putenfleisch- und 22 Prozent von Hühnerfleischproben sollen sich Bakterien befunden haben, die gegen mehrere Antibiotika resistent sind. Das berichtete die SWR-Sendung Report Mainz . Das deutsche Bundesamt für Risikoforschung schätzt, dass Schweine im Schnitt 5,9 und Rinder 2,3 Mal mit Antibiotika behandelt werden. Infektionsspezialist Florian Thalhammer von der MedUni Wien verweist auf Studien, wonach "50 bis 80 Prozent der Antibiotika in der Veterinärmedizin "nicht gerechtfertigt" sind.

In Deutschland ist der Antibiotika-Einsatz im Tierbereich in den vergangenen fünf Jahren von 900 auf 1000 Tonnen gestiegen. "In Österreich haben wir keinen Anstieg", sagt Univ.-Prof. Josef Köfer, Leiter des Bereichs Veterinärmedizin der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Laut "Rückstandskontrollplan 2010" wurden nur in einer von 3373 Nahrungsmittelproben Antibiotika nachgewiesen worden.

"50 bis 80 Prozent Reduktion ist zu hoch gegriffen. Ich bin aber überzeugt, dass wir von den derzeit ca. 60 Tonnen Antibiotika im Tierbereich in den nächsten zehn Jahren auf ein Drittel verzichten können", sagt Köfer. Erreicht werden könne dies mit Impfstoffen und verbesserten Hygienemaßnahmen: "Bevor neue Tiere eingestellt werden, muss der Stall gereinigt werden." Derzeit werde erstmals exakt erhoben, wie groß der Antibiotika-Einsatz pro "Großvieheinheit" (500 kg) Rind, Geflügel oder Schwein tatsächlich ist.

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