Politik 19.01.2012

Amish verweigern Warndreieck: Gefängnis

© Bild: AP

USA: Weil sie auf ihren Pferdewagen keine orangen Warndreiecke anbringen wollten, wanderten Mitglieder der Glaubensgemeinschaft in Haft.

Ein ungewöhnlicher Rechtsstreit hält im US-Bundesstaat Kentucky die Gerichte auf Trab. Wie die britische Tageszeitung Daily Telegraph berichtete, wurden Mitglieder der protestantischen Glaubensgemeinschaft Amish zu einigen Tagen Haft verurteilt, weil sie sich geweigert hatten, an ihren traditionellen Pferdekutschen die vorgeschriebenen orangen Warndreiecke anzubringen, und auch das Bußgeld nicht bezahlen wollten.

Jacob Gingerich ist einer der Verurteilten, im September vergangenen Jahres saß er bereits für acht Tage in Haft. Er gehört der "Swartzentruber Amish", einer besonders konservativen Gruppe der Religionsgemeinschaft an. Knallige Farben sind bei den Amish verpönt, grenzen für die streng gläubigen Christen vielmehr an Blasphemie. "Wir versuchen, ein einfaches, schlichtes Leben zu führen”, erklärte Gingerich gegenüber dem Daily Telegraph, und: "wenn wir diese orangefarbenen Dreiecke am Ende unserer Kutschen befestigen, sind diese nicht mehr schlicht.” Bis zum 12. Jänner hätte er 600 Dollar Strafe inklusive Gerichtskosten bezahlen sollen, doch auch das verweigerte der streitbare Mann, was ihm erneut eine Haftstrafe einbrachte.

Sicherheitsfrage

Der Polizei von Kentucky geht es vor allem um die Sicherheit auf den Straßen. Durch die reflektierenden Dreiecke seien die Pferdekutschen am besten sichtbar, so Polizeisprecher Dean Patterson. Man könne die religiöse Begründung schon nachvollziehen, dennoch: "Wir müssen sie auch schützen", so Patterson. Erst im November des vergangenen Jahres war es zu einem tödlichen Unfall gekommen, als ein SUV auf eine unbeleuchtete Amish-Kutsche aufgefahren war. Ein Teenager, der den Pferdewagen gelenkt hatte, kam dabei ums Leben.

Von der Seite des Gesetzgebers ist man allerdings um einen Konsens bemüht. Es wird nun überlegt, statt der orangefarbenen Schilder schlichte, graue Reflexstreifen zu erlauben. Und noch bleibt Jacob Gingerich unnachgiebig, die 600 Dollar wird er nicht berappen: "Wir bezahlen das Gericht nicht, damit es uns für unsere religiösen Überzeugungen verfolgt."

Bescheidene Lebensweise

Die Amish sind Angehörige einer Täufergemeinschaft, die im 18. und 19. Jahrhundert aus Europa in die USA auswanderte. Die Gemeinschaft zählt inzwischen rund 260.000 Mitglieder. Am bekanntesten sind sie dafür, dass sie die meisten Aspekte des modernen Lebens ablehnen: Sie leben ohne Elektrizität und bewegen sich allenfalls auf Pferdewagen fort. Auffällig ist auch die einfärbige Kleidung, gemusterte Stoffe sind nicht gestattet, ebenso wie Knöpfe. Viele sprechen noch einen Dialekt, der seinen Ursprung im Deutschen hat.

Erstellt am 19.01.2012