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Politik
12/05/2011

41-Jähriger gegen Rauswurf aus Hotel Mama

In Venedig weiß sich ein Paar nicht mehr gegen den eigenen Sohn zu wehren. Ein Anwalt soll ihn nun aus dem Elternhaus kriegen.

Die italienischen Muttersöhnchen sind so legendär wie die Mammas. Einer dieser Mütter wurde es aber nun zu bunt mit ihrem 41-jährigen Kaliber von Sohn. Sie und ihr verzweifelter Ehemann müssen nun sogar mit dem Anwalt kommen, um den Mann mittleren Alters aus dem Hotel Mama zu vertreiben.

Der "Mammone" ("Muttersöhnchen") weigert sich nämlich konsequent, das Familienhaus zu verlassen, obwohl er schon mehrfach dazu aufgefordert wurde und sich ein eigenständiges Leben längst leisten könnte. Er gehe nämlich einem sicheren und gut bezahlten Job nach. Nun soll es der Rechtsanwalt eines Konsumentenschutzverbands richten: Dieser rief in einem Schreiben den Mann dazu auf, in zehn Tagen das Elternhaus zu verlassen. Ansonsten soll das Gericht von Venedig eingeschaltet werden.

"Verlust einer Generation"

"Hunderte Familien haben ein ungesundes Verhältnis zu ihren erwachsenen Kindern, die das Elternhaus nicht verlassen und oft die alten Eltern mit zunehmenden Forderungen belasten", sagte der Rechtsanwalt des Konsumentenschutzverbands Adico von Mestre.

Unter dem Druck der Wirtschaftskrise, der zunehmenden Arbeitslosigkeit und der hohen Mieten wächst in Italien die ohnehin schon große Menge der bei den Eltern lebenden Jugendlichen weiter. Das Phänomen der "Mammoni" ist in Italien Gegenstand lebhafter Diskussionen. Auch viele junge Frauen sind "Nesthockerinnen", obwohl sie längst finanziell selbstständig sind.

Die "Nesthocker-Generation" sei ein Problem für die Entwicklung des Landes, warnen Demografen. Nicht nur Probleme bei der Suche nach Arbeit und einer Wohnung erschweren die Trennung von den Eltern. Auch kulturelle Faktoren spielen eine Rolle.

Auch unter den beschäftigten Jugendlichen sei die Lage nicht rosig, da fast die Hälfte der Italiener zwischen 15 und 34 einen Beruf ausübt, der unter dem Niveau ihrer Ausbildung liegt. "Italien droht der Verlust einer ganzen Generation. Die Jugendlichen leiden am meisten unter der Krise", warnte die Soziologin Chiara Saraceno.

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