Auböck begibt sich in den Sog des Olympia-Zweiten Jaeger

Ein Schwimmer im Schwimmbecken beim Kraulen.
Felix Auböck hat es tatsächlich erwischt. Am Freitag bei Olympia in Rio angeschlagen in sein Rennen über 1.500 m Kraul gegangen, laboriert der Schwimmer seither an einer Bronchitis und Nebenhöhlen-Erkrankung. Der Österreicher hat bis nächsten Montag Zeit, zu gesunden. Dann startet er in ein neues Abenteuer, hebt er zu seinem neuen privaten und sportlichen Lebensmittelpunkt in Michigan ab.

Die vergangenen drei Jahre hatte Auböck in der deutschen Hauptstadt eine Heimat gefunden, zum Schulabschluss hat er die Matura bzw. das Abitur abgelegt. "Ich würde liebend gerne in Berlin bleiben", sagte er im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. "Aber das Problem ist, dass mir die Trainingspartner dort fehlen. Als ich damals hingekommen bin, waren die alle älter als ich. Mittlerweile haben sie schon aufgehört."

Er merke aber, dass er täglich jemand brauche, der neben ihm schwimmt, der ihn pusht. "Das hat leider in diesem Jahr etwas gefehlt. Das haben wir aber oft kompensiert, indem wir uns Trainingsgäste eingeladen haben." Auf Dauer sei das jedoch keine Lösung. "Daher muss ich den nächsten Schritt wagen und aus Berlin weggehen, damit ich diese Trainingspartner weiterhin habe." Der Gang in die USA sei daher vorgegeben gewesen.

Gefallen sei die Entscheidung bereits vor eineinhalb Jahren. Der Wiener habe sich lange vorbereiten müssen, Tests absolvieren, das Visum beantragen. Die Kosten werden übernommen, Auböck wird die nächsten Jahre auf dem Campus leben. "Ich habe mir diese Möglichkeit immer offengelassen, also habe ich diesen Prozess Amerika relativ früh begonnen." Der Betrieb an der University of Michigan geht am 6. September los.

Berlin wird der Krauler aber nicht untreu. Spandau 04 bleibt sein Verein, Lasse Frank sein "Heimtrainer". "Wir werden den Kontakt halten, ihn weiter unterstützen. Er hat bei uns schon ein bisschen einen 'Background' gefunden", sagte Frank. Da das Semester Anfang April ende, blieben vier Monate Vorbereitung auf den jährlichen Höhepunkt wie EM und WM. Frank: "Er ist immer eingeladen, in Berlin die Vorbereitung zu machen oder auf Wettkämpfe zu kommen."

Der Coach glaubt, dass der Schritt nach Michigan für Auböcks sportliche und Profi-Karriere der richtige gewesen sei. "Er wird in einer sehr leistungsstarken Trainingsgruppe mit Mittel- und Langstrecklern sein. Da sind so 35 Athleten auch in seinem Altersbereich." Großer Star der Truppe ist Connor Jaeger. Der 25-Jährige wurde in Rio mit Amerika-Rekord Olympia-Zweiter über 1.500 m Kraul und Fünfter über die 400-m-Distanz.

Für Auböck wird der Schritt an die US-Uni eine große Umstellung bedeuten, schon allein vom Umfeld her mit einem neuen Coach. Auch an das Training wird sich der EM-Vierte über 400 m Kraul vom Mai in London gewöhnen müssen. "Die größte Anpassung wird sein, diese ständigen Wettkämpfe zu schwimmen", sprach Frank die höhere Intensität der Arbeit im Wasser an. "Das stellt aber auch wieder einen riesengroßen Trainingsreiz dar."

Frank hält sehr viel vom Olympia-Debütanten, bezeichnete ihn als gut trainierbaren Sportler. "Er hat Potenzial, in die Weltspitze vorzudringen." Es sei bisher viel im Basisbereich, der Grundlagenausdauer gearbeitet worden. "Wir haben noch nicht so viel Reize vorweggenommen. Da ist noch sehr viel offen im Kopfbereich, Höhentrainingslager. Da sind noch sehr viele Faktoren offen, die er noch gar nicht angezapft hat. Deswegen sehe ich sehr hohes Potenzial."

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