Meinung
08.08.2018

Zwei Blaue als Wahlbeobachter beim Alleinherrscher: Im Ernst jetzt?

Zwei FPÖ-Abgeordnete haben die Wahl in Kambodscha beobachtet und für "professionell" befunden.

Kennen Sie Hun Sen? Nein? Sollten Sie aber. Zumindest, wenn Sie sich für Politik interessieren. Der Kambodschaner ist einer der erfolgreichsten, wenn nicht überhaupt der erfolgreichste Regierungschef des Planeten. Stattliche drei Jahrzehnte ist er schon im Amt – dagegen nehmen sich 13 Jahre Kreisky wie ein Augenzwinkern aus.

Ende Juli fanden in Kambodscha wieder Parlamentswahlen statt. Und von den 125 Sitzen im Parlament schaffte die Partei von Mister Sen, die Hun-Sen-Partei, sage und schreibe 125!

Wow, kann man dazu nur sagen. Der Mann muss gut sein.

Wie gut, davon können zwei FPÖ-Abgeordnete erzählen. Axel Kassegger und Johannes Hübner ließen sich „privat“ von der kambodschanischen Regierung einladen, um vor Ort, in Phnom Penh, die Wahl zu beobachten. Alles sei „sehr professionell“ abgelaufen, frohlockte Kassegger nach dem Wahltag.

Das ist interessant, fast schon beruhigend. Und trotzdem fragt man sich als interessierter Bürger: Woran liegt es jetzt genau, dass Mister Sen das alles so toll hinkriegt?

Hat es allenfalls damit zu tun, dass die einzige größere Oppositionspartei in Kambodscha von der Regierung verboten worden ist? Oder liegt es vielleicht daran, dass die Konkurrenten von Mister Sen wahlweise im Gefängnis oder im Exil sind? Und welche Rolle spielen eigentlich die regierungstreuen Soldaten und Funktionäre, die in manchen Wahllokalen offenkundig dafür gesorgt haben, dass man als treuer Kambodschaner auf keinen Fall vergisst, wo genau man sein Kreuzerl für Mister Sen machen darf?

Die Abgeordneten Kassegger und Hübner sollten noch im Detail erklären, was genau sie an der kambodschanischen Parlamentswahl so fein und „professionell“  gefunden haben.

Vielleicht können wir hierzulande ja noch etwas lernen, oder?