Meinung 08.05.2018

Zurück ins Gestern

So, wie sich Donald Trump das vorstellt, lässt sich der Iran nicht "zähmen" oder in die Moderne zwingen

Der Iran lässt sich nicht mit Drohungen „zähmen“ und erneuern. Es war eine Sternstunde der Diplomatie, als US-Außenminister John Kerry und Kollegen im Juli 2015 in Wien verkündeten: Der Atom-Deal ist perfekt. Der Paria Iran war dazu gebracht worden, sein Nuklearprogramm auf Eis zu legen, mit drei Zielen: die Atomkriegsgefahr zu minimieren; den Iran aus der Isolation zu holen und die Aufgeklärten im Land zu unterstützen; mit dem Iran Geschäfte zu machen. Der Iran war plötzlich eine Art Good guy auf der Weltbühne.

2018 ist alles anders: Für Donald Trump ist der Atom-Deal ein Desaster und das Regime in Teheran des Teufels; für Israel war es das immer, weshalb man weiter gegen den Iran schürt; der saudische Kronprinz umarmt sogar Israel, wenn es gilt, die sunnitische Vormacht gegen die schiitischen „Häretiker“ durchzusetzen, und freut sich über Waffen- und andere Geschäfte mit Trump. Europa, das dem Iran vertraut, schaut entgeistert zu.

Zugegeben: Die Moderaten im Iran sind noch weit vom Ziel, den Gottesstaat zu transformieren. Wenn jetzt aber die ewiggestrigen Mullahs durch den anti-iranischen Furor Aufwind erfahren, waren die vergangenen Jahre umsonst. Von der Kriegsgefahr nicht zu reden. Den Iran so zähmen zu können, das glaubt wohl nur Donald Trump.andreas.schwarz

( kurier.at , a.s. ) Erstellt am 08.05.2018