© Wolfgang Ortner

Gastkommentar
05/13/2020

Wird die neue Welt eine andere sein?

Für eine Umgestaltung bräuchte es stärkere internationale Organisationen, die klare Regeln aufstellen können

Diplomatie. Man kann feststellen, dass in der Vergangenheit Kriege und Katastrophen zu entscheidenden Veränderungen geführt haben – etwa der Gründung des Völkerbundes nach dem Ersten Weltkrieg.

Die letzten Wochen haben gezeigt, dass in den verschiedensten Bereichen Veränderungen möglich sind, die als Verbesserungen angesehen werden können: So hat der Mikrobiologe Peter Palese ein weltweites Verbot von Wildtiermärkten gefordert; manche Heimarbeit hat sich als durchaus zweckmäßig erwiesen; und man hat auch gesehen, dass man nicht zu jedem Kaffeekränzchen nach Brüssel fliegen muss.

Strukturelle Änderungen

Die Frage ist aber, welche strukturellen Veränderungen notwendig sind, um die internationale Ordnung insgesamt besser aufzustellen; um dem Wohl der Menschen weltweit besser gerecht zu werden. Eine Möglichkeit wäre, und das ist der Kern dieser Überlegungen, den „technischen Organisationen“ der Vereinten Nationen mehr Durchgriffsrechte zu geben.

Konkret: Die Aufgabe der Welt- Gesundheitsorganisation (WHO) ist es, die Gesundheitsvorsorge weltweit zu verbessern und schon das Aufkommen von Krankheiten entsprechend zu bekämpfen. Das ist bisher nicht gelungen. Hätte die WHO das Recht, klare Regeln aufzustellen und durchzusetzen, würde das nicht nur klare Kompetenzen schaffen, sondern auch die Möglichkeit, die Gesundheit in der Welt wirklich zu verbessern.

Dasselbe gilt für die Internationale Arbeitsorganisation (ILO). Ihre Aufgabe ist es, weltweit für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen.

Beschlüsse gelten jedoch nur für jene, die diese ausdrücklich anerkennen. Mehr Durchgriffsrechte für die ILO wären nicht nur ein Schritt in Richtung mehr soziale Gerechtigkeit, sondern auch eine wesentliche Grundlage für den Frieden.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hat das Ziel, „für den schonenden Umgang mit der Umwelt und eine nachhaltige Entwicklung“ zu sorgen. Doch auch hier geht es darum, wie weit das UNEP seine Beschlüsse zwingend durchsetzen kann.

Das wären einige Vorschläge für eine neue internationale Ordnung. Zweifellos wäre schon die Stärkung von „technischen“ internationalen Organisationen ein revolutionärer Schritt, ändern wir aber nichts, werden wir von den nächsten Krisen überrollt.

Wendelin Ettmayer war  Botschafter und verfasste mehrere Bücher über internationale Beziehungen.