Ölförderung

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Leitartikel
11/29/2021

Wie Öl zum Ökotreiber werden kann

Die plötzlichen Mehrkosten für Energie treffen Familien hart, sie beschleunigen aber das Aus für die Fossilen

von Bernhard Gaul

Die Ausgaben für Öl- und Erdgasimporte werden heuer um sechs Milliarden Euro steigen – von vier Milliarden Euro im Jahr 2020 auf voraussichtlich 10 Milliarden 2021. In der derzeit coronabedingt angespannten Wirtschaftslage sind die steigenden Energiekosten eine zusätzliche Belastung.

Besonders trifft es die Familien, deren Nervenkostüm angesichts der Hiobsbotschaft von neuen Virus-Bedrohungen ohnehin schon strapaziert ist. Da hilft es wenig, wenn die Experten damit beruhigen wollen, dass sich die Preise nur auf das Vorkrisenniveau einpendeln – das Geld ist knapp, und die finanziellen Sorgen wachsen.

Gut, dass die Bundesregierung jetzt zumindest ein bisschen gegensteuert und die Ökostrom-Förderpauschale, die immerhin 70 bis 100 Euro pro Haushalt ausmacht, für 2022 streicht. Dazu kommt noch der Klimabonus, der pro Person zwischen 100 (für Wiener) und 200 Euro (für Waldviertler und alle, die kaum Öffi-Anbindung haben) ausmacht (und für Kinder bis 16 die Hälfte). Da kommen bei einer vierköpfigen Familie schnell einmal 300 bis 600 Euro dazu.

Das Problem mit den Energiepreisen ist natürlich viel größer: Kasachstan, Libyen, Irak, Aserbaidschan, Algerien, Russland, Nigeria – das sind in dieser Reihenfolge jene Länder, denen wir (2019) das Öl abgekauft haben, für Autos und Heizungen. Keines davon ist ein leuchtendes Beispiel einer Demokratie, und die Oberhäupter dieser Staaten wissen, dass im Zuge der Klima- und Energiewende ihr Geschäft mit 2050 ein Ablaufdatum hat. Aber jetzt bekommen sie einmal aufgrund der Preissteigerungen sechs Milliarden Euro mehr von uns.

Dass die Preisgestaltung der OPEC-Staaten (auch da ist keine echte Demokratie dabei) nichts mit Marktmechanismen zu tun hat, muss wohl nicht erklärt werden. Schräg ist, dass die hohen Energiepreise dazu führen, dass der Ökostrom immer weniger Förderung braucht – hier greift wieder die Marktwirtschaft. Das ist der Grund, warum die Energieministerin 2022 auf die Ökostrom-Förderpauschale verzichten kann: Ökostrom-Erzeuger müssen ja finanziell unterstützt werden, damit sie am Markt mit traditionellen Erzeugern, etwa Wasserkraft, mithalten können. Sind die Energiepreise aber hoch, braucht es weniger Förderung, damit sich auch der in der Produktion teurere Ökostrom rechnet.

Bleiben die Preise hoch oder steigen sie weiter, beschleunigt das die Transformation des Energiesektors in der EU und kommt damit den Klimazielen, nämlich bis 2030 die Hälfte der Emissionen einzusparen, entgegen. Dieser Effekt stellt sich auch ein, wenn wir zur Stromproduktion vorübergehend mehr Erdgas brauchen sollten, weil Erdgas viel weniger klimaschädlich ist als Kohle. Auch wenn das vorerst den Gaslieferanten #1 Putin freuen wird.

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