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Kommentar
03/15/2021

Wenn der Staat nicht sein Bestes gibt

Der Eindruck, dass die Behörden in ihrer Impf-Politik stur an überholten Plänen festhalten, schürt auch Neid und Missgunst.

von Christoph Schwarz

Gegen Corona schützen die zugelassenen Impfstoffe ziemlich zuverlässig, gegen ein anderes Virus können sie derzeit nicht immunisieren: gegen den grassierenden Impfneid. Wer hierzulande schon geimpft ist, der steht rasch unter Generalverdacht. Lebt der junge Mann wirklich mit einer Schwangeren zusammen? Ist er Lehrer – und nicht bloß ein frecher Uni-Lektor? Zählt er sicher zur Risikogruppe? Nein, da wurde bestimmt geschummelt!

Die Kluft zwischen den Geimpften und jenen, die noch nicht einmal einen Termin in Aussicht haben, wird immer tiefer. Ursachen für die (a)sozialen Nebenwirkungen der Impfung gibt es mehrere. Und sie sind zutiefst österreichisch.

Dass die Bundesländer – in gewohntem föderalen Durcheinander – beim Impfen unterschiedlich weit sind, ist einer davon. Wenn im Hochrisikogebiet Schwaz gar alle Bewohner geimpft werden, im Hochrisikogebiet Wiener Neustadt aber nicht, liefert das ein anschauliches Beispiel, warum sich viele benachteiligt fühlen. Auch dass Geimpfte (und Genesene) vielleicht früher ihre Freiheitsrechte zurückerhalten und sorg- und maskenlos dinieren, feiern und urlauben können, ist rechtlich nachvollziehbar, birgt aber gesellschaftlichen Sprengstoff.

Die Wurzel allen Übels – diesen Schluss legt der jüngste Polit-Konflikt nahe – ist nicht zuletzt in der starrköpfigen Impfpolitik zu finden, wie sie im Gesundheitsministerium betrieben wird: Österreich hat sich Impfdosen, die in der EU verfügbar waren, nicht gesichert. Einzig und allein, weil Beamte – allen voran der nun entmachtete Impfkoordinator Clemens Martin Auer – nicht von den Plänen abweichen wollten, die sie im ministeriellen Kämmerlein entwickelt hatten. Dass Österreich sich damit Dosen des teuren, aber zuverlässigen Pfizer-Impfstoffs entgehen ließ und lieber das umstrittene Astra Zeneca kaufte, entpuppt sich zudem als ziemlich unlustiger Treppenwitz der Geschichte. Mittlerweile zieht halb Europa die Notbremse. Dass Astra Zeneca gefährliche Nebenwirkungen hat, ist (noch) nicht erwiesen; derzeit wird geprüft. Die Verunsicherung aber steigt. (Die vielen Impftermine, die gar nicht mehr wahrgenommen werden, belegen das.) Nach einer Sitzung des Nationales Impfgremium gestern am Abend stand fest: Österreich bleibt erneut stur. Es antizipiert die Ängste nicht – und impft vorerst weiter.

All das ergibt in Summe ein unschönes Bild: dass die Behörden nämlich nicht ihr Möglichstes tun, um so rasch wie möglich so viel Impfstoff wie möglich – und idealerweise den besten! – für Österreich zu sichern. Wer so handelt, darf sich nicht wundern, wenn Neid und Missgunst, zutiefst menschliche Phänomene, zutage treten: In einem Staat, dem man nicht vertraut, wird jeder, der – vermeintlich – besser behandelt wird, rasch als Schwindler abgestempelt. Gerade in einer Krise ist das eine gefährliche Entwicklung.

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