© honorarfrei/Josef Ertl

Gastkommentar
05/30/2020

Warum wir den Klimaschutz mit aufbauen sollten

Das von der Industriellenvereinigung an dieser Stelle geforderte Moratorium wäre fehl am Platz

Eine Lehre zeigt uns die Corona-Krise: Es ist möglich, harte politische Entscheidungen mit enormen Auswirkungen zu treffen. Man muss nur tun, was richtig ist – und es erklären. Was für die ökosoziale Transformation unseres Wirtschaftens und im Klima- und Biodiversitätsschutz richtig und überfällig ist, steht in Fachkreisen längst fest. Man muss nur endlich handeln. Klar ist: Konjunkturmaßnahmen müssen (auch) den Klima- und Naturschutzzielen dienen.

Alles andere wäre fahrlässig – genauso wie ein sechsmonatiges Moratorium, wie es von der Industriellenvereinigung für alles, was den Standort belasten könnte, gefordert wurde. Als ob der Standort nicht durch den galoppierenden Natur-, Flächen- und Ressourcenverbrauch und die dramatische Klimaerhitzung längst in seinen Grundfesten erschüttert würde!

Die Forderung nach einem Moratorium durch einen Sozialpartner hat immer einen fahlen Beigeschmack – wieder ein Bremsmanöver, wie wir es im Klima- und Naturschutz seit Jahren kennen?

Staatliche Wiederaufbauprogramme müssen ohne Wenn und Aber einer Green Recovery entsprechen. Ansatzpunkte gibt es mehr als genug: Eine Sanierungsoffensive bei Gebäuden bringt Arbeitsplätze im ganzen Land, senkt den Energieverbrauch und ist eine zentrale Klimaschutzmaßnahme. Ziel ist, die Sanierungsrate in den nächsten drei Jahren von derzeit 1,4 auf 3 Prozent zu erhöhen. Der Stopp der Energieverschwendung muss zudem ins Zentrum des Konjunkturpaketes rücken – das schafft Arbeitsplätze in allen Branchen und reduziert den CO2-Ausstoß.

Die Sonne bietet DAS ungehobene Potenzial für naturverträgliche erneuerbare Energie. Photovoltaik sollte im Neubau in allen Bundesländern ab 1. Jänner 2021 verpflichtend sein. Alle rechtlichen Hürden in den Bauordnungen für die Nutzung von Dächern sowie geeigneter verbauter Flächen sind zu beseitigen. Und im Wald: Befristete Intensivierung der Biomassenutzung zur beschleunigten Abarbeitung von Schad- und Borkenkäferholz. Gleichzeitig sofortiger Start eines Waldzukunftsprogrammes für die Begründung klimafitter Wälder und eines aktiven Umbaus der Fichtenforste. Renaturierungsprogramm für Moore, Feuchtwiesen und Fließgewässer: Intakte Wasserkreisläufe sind der Schlüsselfaktor im Klimaschutz – als Lebenselixier schlechthin, für Nahrungsmittelproduktion, Energieerzeugung oder Kühlung.

Franz Maier ist Präsident des Umweltdachverbandes Österreich.

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