Meinung
31.05.2018

Un forte abbraccio*, ihr lieben Italiener

*Eine feste Umarmung brauchen die Italiener, keine Kritik aus Brüssel. Aber Realitäten müssen sie sehen.

„Leben und weben ist hier, aber nicht Ordnung und Zucht“, schrieb Johann Wolfgang von Goethe, der begeisterte Italien-Reisende aus dem „Land, wo die Zitronen blühen“ in seinen Venezianischen Epigrammen. Was für eine genaue Beschreibung des Landes, die noch heute gilt. Dolce vita, Geschäftssinn und internationales Design finden wir in Italien. Die Ordnung, auch die des Staates, mag anderswo besser funktionieren. Damit haben sich die Italiener abgefunden, jahrzehntelang hat eine politische Klasse sie belogen und betrogen, aber mit „arrangiarsi“ konnte man durchs Leben kommen, ohne zu sehr bei der Politik anzustreifen . Man konnte auch von dem korrupten System profitieren.

Umso erstaunlicher ist es, dass viele Italiener jetzt den genauso verlogenen Populisten glauben, etwa, dass die Deutschen an allem schuld seien, und die EU, und, klar, auch George Soros. Dafür sollen andere, zum Teil ärmere EU-Staaten, eine höhere Verschuldung finanzieren. Das werden sie natürlich nicht, aber Italien wäre groß genug, die ganze EU und den Euro zu sprengen. Dass eine billige Lira dann neuen Wohlstand bringen würde, glauben nicht einmal die rechten Populisten.

Den Italienern jetzt von außen zu drohen, wäre aber der ganz falsche Weg. Ganz im Gegenteil, die anderen europäischen Völker müssen ihnen vermitteln, dass sie wesentlicher Teil unserer Geschichte und unserer Kultur sind. Europa ist so faszinierend, weil der Kontinent von so unterschiedlichen Einflüssen geformt wurde und die Völker einander wegen der Vielfalt der anderen bewundern. Und in Rom wurde 1957 das „Nie wieder Krieg“ in die besten Verträge der Geschichte gegossen.