© Lukas Ilgner

Gastkommentar
04/30/2020

Startklar – Aufbruch in die Welt nach Covid-19

Wie wir nach der Krise leben werden

Ob wir uns derzeit in einer globalen Feldstudie zum Thema Massenhysterie befinden oder Covid-19 tatsächlich den totalen Shutdown, der die Weltwirtschaft in den Boden rammt, rechtfertigt, ist schwierig zu beantworten. Als eindeutig ergibt sich allerdings, dass Covid-19 im Rang eines historischen Ereignisses steht und unser Alltagsleben durchgehend verändert hat.

Maskenpflicht, Abstand halten, Homeoffice, Ausgangsbeschränkungen prägen unsere derzeitige Normalität und wären vor wenigen Wochen noch undenkbar gewesen. Und die bange Frage, ob uns all dies wieder passieren könnte, müssen sogar naive Gemüter mit basalem epidemiologischen Verständnis mit einem trockenen „Ja“ beantworten.

Haarlockenfragment

Jener Emoji für Wut mit einem Haarlockenfragment, der jenseits des großen Teichs die Schuldfrage mit Verweis auf das Reich der Mitte zu klären versuchte, greift trotz wohlgeübter Großspurigkeit mit seinem Narrativ hier eindeutig zu kurz. Denn Schuld sind wir diesmal alle. In der Petrischale dieses Globus ist in unserem viel gepriesenen „Life Style“, der in der Steigerungsgesellschaft sein Glaubensbekenntnis vielstrophig psalmiert und im Konsum die andächtig geübte Religionsausübung praktiziert, das eigentliche Nährmedium zu finden.

Grenzenloses Wachstum, nicht nur der Weltbevölkerung, und grenzenlose Mobilität, haben gemeinsam damit, dass hier in diesem Gesamtökosystem Globus wirklich alles verbunden und voneinander abhängig ist, ideale Grundvoraussetzungen für eine Pandemie geboten. Hand aufs Herz! Auch Viren haben Ehrgeiz! Würden sie sich lieber auf einzelgängerische Nashörner spezialisieren, als auf einen so schutzlosen, umweltoffenen Organismus wie den Homo sapiens?

Zauberlehrling Mensch

Als geborener Universaldilettant, der nichts wirklich gut kann, hat der Zauberlehrling Mensch wohl jetzt gerade das Ende der Fahnenstange erreicht, auch wenn ihn sein atemberaubender Aufstieg von der Mitte der Nahrungskette bis an deren Spitze geblendet haben mag. Der Zahltag naht und Covid–19 könnte der erste Inkassobote sein.

Bleibt die Frage, wie wir damit umgehen wollen? Und spätestens jetzt wird klar, dass es sich bei der biologischen Krise im Kern um eine ideelle Krise handelt, die zur Nagelprobe der liberalen Demokratie werden könnte.

Unsere Zivilisation steht an einer Weggabelung. Auf der einen Seite führt Misstrauen Regie und weist in einen wohlmeinenden Kontrollstaat, begründet auf dem Fundament von Vernunftpanik. Hier braucht der Mensch keine Bürgerrechte mehr, denn das lebendige Subjekt ist längst zum Objekt technokratischer Verwaltung geworden. Setzen wir allerdings auf das, was uns als Menschheit bisher erfolgreich gemacht hat, nämlich, dass wir radikal sozial sind und kreative Lösungsfinder, dann wählen wir den anderen Weg und machen uns startklar für eine Welt, in der unsere Zivilisation ihre Einbettung in das gesamte Ökosystem in gemeinschaftlich profitabler Weise lebt, statt sich in einem Beherrschungsversuch weiterhin lächerlich zu machen.

Martina Leibovici-Mühlberger ist Ärztin und Psychotherapeutin. Sie veröffentlichte das Buch „Startklar – Aufbruch in die Welt nach Covid-19“

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