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Meinung
10/10/2019

Radikale Sprache macht radikale Gewalt

Attentat von Halle: Rechtsradikale Mörder sind oft von größter Einfalt - und sehen sich durch radikale Politiker legitimiert

von Andreas Schwarz

Er wollte eine Synagoge stürmen und dort ein Massaker anrichten. Weil Bewaffnung (und Intelligenz) des Stiefelträgers gottlob nicht reichten, um die Tür zu überwinden, erschoss er zwei Unbeteiligte außerhalb – und filmte seine Tat mit Helmkamera. Im Internet tauchte ein Manifest mit dem Anschlagplan und der Glorifizierung des Ziels auf, vorzugsweise Juden, aber auch Muslime und Linke zu töten.

Was in Halle passiert ist, erinnert in vielen Details an das Christchurch-Massaker (März, 51 Tote). Die Betroffenheit der Politik mitsamt erklärter Solidarität für die jüdischen Mitbürger auch. Und wieder stellen sich dieselben Fragen wie jedes Mal: War so eine Tat nicht vorhersehbar, wo Extremismusberichte zunehmende rechtsradikale Gewalt an die Wand malen? Woher kommt diese Radikalisierung, die sich wohl nicht nur mit Zuwanderung und Verlust-/Existenzangst erklären lässt, wenn sie sich an jüdischen Betenden entlädt? Wie gehen die Medien damit um?

Zurückhaltung der Medien?

Letztere Frage ist so einfach wie schwierig zu beantworten. Typen wie der Mörder von Halle haben, so wie islamistische Attentäter der vergangenen Jahre, neben dem Tod vieler vor allem ein Ziel: Dass ihre Tat und ihre Personalie in allen Details verbreitet werden (IS-Attentäter trugen immer einen Ausweis mit sich). Die Taten medial totschweigen geht nicht, erst recht nicht in Zeiten sozialer und schnappatmender Online-Medien. Aber demonstrative Sachlichkeit in der Berichterstattung, ohne die Gefahren kleinzureden, und Zurückhaltung täten Not – um sich nicht zum Erfüllungsgehilfen der mörderischen Idioten zu machen.

Mit dem Stichwort Idiot ist man schon bei der Beantwortung der Fragen eins und zwei. Die Tat war aufgrund des vorhandenen rechtsextremen Milieus vorhersehbar, ja. Das Milieu hat viel mit der Benachteiligung des ehemaligen deutschen Ostens zu tun, auch ja. Aber Christchurch liegt nicht im Osten. Und bei einer Vielzahl der Attentäter wiederholt sich das Muster des minderbemittelten, manchmal psychisch beeinträchtigten, meist besonders schlicht gestrickten Täters. Der sich durch die Verrohung der Sprache in der Politik bestätigt sieht.

Wenn AfD-Politiker Verständnis äußern, dass Deutsche keine Nachbarn anderer Hautfarbe wollen, und Ausländer als „Gesinde“ bezeichnen, wenn FPÖ-Scharfmacher „Es wird keine Extrawürste für Afghanen geben, da halten wir uns an die Speisevorschriften“ poltern – dann bedient das nicht nur die Schenkelklopfer am rechten Rand, sondern auch die, die die Hand zum Schenkelklopfen nicht frei haben, weil sie Waffen halten. Und denen es egal ist, ob sie Muslime oder Juden töten, Hauptsache dass.

Sage niemand, so dürfe man das alles nicht in einen Topf werfen – es ist der braune Topf, aus dem sich Typen wie jener in Halle nähren.

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