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Pro & Contra
04/24/2020

Nach der Krise: Sind Kleinbauern die Antwort?

Mit Covid-19 ist die Versorgungssicherheit in den Fokus getreten. Soll die Landwirtschaft kleinteiliger werden?

Erntehelfer, die eingeflogen werden mĂŒssen, internationale Warenströme, die von heute auf morgen zu holpern beginnen: MĂŒssen wir unsere Lebensmittelproduktion in der Landwirtschaft ĂŒberdenken? Zwei Experten liefern Argumente:

PRO: UnabhÀngigket von globalen Produktionsketten

Kleinbauern und -bĂ€uerinnen, Landlose, Feldarbeiter*innen und indigene Völker ernĂ€hren 80 Prozent der Welt. Die Corona- und die Klimakrise zeigen die Gefahren und Grenzen der globalisierten, industriellen Landwirtschaft auf, sei es durch den Stopp der Produktionsketten und Arbeitsmigration durch Grenzschließungen oder der Zerstörung der Natur.

Hingegen sind regionale, kleinteilige und nachhaltig organisierte Betriebe in der Krise durch ihre UnabhĂ€ngigkeit von globalen Produktionsketten resilienter. Sie wirtschaften ökologischer und ressourcenschonend, verwenden weniger Pestizide und DĂŒnger und produzieren gesĂŒndere Lebensmittel. Und sie fördern eine gesunde Mensch-Tier-Beziehung und tragen durch tierfreundliche Bedingungen zum Tierwohl bei.

Wir mĂŒssen gezielt die Leistungen der Kleinbauernbetriebe mit EU-Förderungen abgelten und unsere ErnĂ€hrungssouverĂ€nitĂ€t auch in der Klimakrise absichern. Die jetzige EU-Landwirtschaftspolitik fördert ausbeuterische Arbeits- und BesitzverhĂ€ltnisse, Großbetriebe und Agroindustrie, wĂ€hrend Familienbetriebe unter Preisdruck geraten, sodass tĂ€glich 2 bis 3 in Österreich zusperren mĂŒssen. Wir brauchen eine dringende Neufokussierung der EU-Förderinstrumente: Schluss mit den Subventionen nach HektargrĂ¶ĂŸe und her mit einer Förderobergrenze von 60.000 Euro/Betrieb und dem Ausbau eines ökologischen und sozialen Förderkataloges. Nur so können wir ein robustes, regionales und klimaschonendes ErnĂ€hrungssystem mit kurzen Lieferketten und fairen Bedingungen fĂŒr alle aufbauen.

Thomas Waitz ist Bio-Landwirt, EU-Abgeordneter der GrĂŒnen und Co-Vorsitzender der EuropĂ€ischen GrĂŒnen Partei

CONTRA: GrĂ¶ĂŸe bietet Schutz und Effizienz

Mein Vorbild ist die Natur, sie agiert großrĂ€umig, langfristig, aber dennoch sehr vielfĂ€ltig. Auch die Bio-Landwirtschaft profitiert von GrĂ¶ĂŸe, denn nicht jeder Quadratzentimeter muss zwanghaft einer Nutzung zugefĂŒhrt werden. BeikrĂ€uter oder FlĂ€chen, wo die Saat einmal nicht aufgeht, verbleiben und steigern so die BiodiversitĂ€t.

Die GrĂ¶ĂŸe bietet aber auch Schutz vor externer Kontamination, z. B. durch abdriftende Spritzmittel. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sind bei steigender FlĂ€che vor allem die Effizienz und Skalierungseffekte ins Treffen zu fĂŒhren. Die BearbeitungsintensitĂ€t pro Quadratmeter sinkt mit zunehmender GrĂ¶ĂŸe deutlich, da speziell angepasste, Ă€ußerst effiziente Maschinen zum Einsatz kommen.
Wendezeiten und Überstellungsfahrten werden zudem massiv minimiert, das schont die Umwelt und spart Treibstoff.

Bei der Beurteilung von Betriebs- und FeldstĂŒckgrĂ¶ĂŸen gibt es international, aber auch in Österreich, enorme regionale Unterschiede.
Was mancherorts als „groß“ empfunden wird, ist andernorts „Durchschnitt“ oder gar „klein“. Diese Tatsache ist besonders zu beachten, da die MĂ€rkte stark vom Weltmarkt bestimmt sind. FĂŒr alle österreichischen Betriebe spielt die regionale Wertschöpfung und Besetzung von Nischen daher eine besondere Rolle.
Standörtliche Gegebenheiten mĂŒssen mit allen Vor- und Nachteilen akzeptiert und effizient genutzt werden. Erfolg und gesellschaftlicher Nutzen sind sicher keine Frage der BetriebsgrĂ¶ĂŸe, entscheidend ist vielmehr, was auf den FlĂ€chen tatsĂ€chlich passiert.

Matthias GrĂŒn ist Direktor der Esterhazy Betriebe GmbH in Eisenstadt.

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