Staatliche Tourismusförderung: Die Heilige Kuh ist überfüttert

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Österreichs Boombranche zählt zu den größten Preistreibern. Daran werden auch Statistik-Tricks nichts ändern. Üppige Förderungen braucht es nicht mehr.
Anita Staudacher

Anita Staudacher

Seit Monaten zählt der Tourismus zu den größten Inflationstreibern in Österreich. Wer die Weihnachtsfeiertage in einem Skiresort in Tirol oder Salzburg verbracht hat, wird das gerne bestätigen: Liftkarte, Leihski sowie Essen und Getränke sind für Durchschnittsverdiener kaum noch leistbar. Manche Skihütten-Betreiber verlangen inzwischen mehr als sechs Euro für „Skiwasser“, mehr als acht Euro für den Jagatee und 15 bis 20 Euro für einen an Eiern armen Kaiserschmarrn. Natürlich ohne Rosinen.

Die Gäste kommen in Strömen

Warum? Weil sie es können. Die Gästeschar aus dem Ausland kommt in Strömen, die Nächtigungszahlen eilen von Rekord zu Rekord. Die Debatte über den Übertourismus in den touristischen Hotspots nimmt angesichts verstopfter Zufahrtsstraßen in Skigebieten und hoffnungslos überlaufener Innenstädte neuerlich Fahrt auf. Und was macht die Regierung? Sie kündigt als erste Maßnahme im neuen Jahr weitere, zum Teil unverständliche Unterstützungs- und Fördermaßnahmen für die Boombranche an. Als würde die „Heilige Kuh“ Tourismus nicht ohnehin schon reichlich mit öffentlichen Geldern gefüttert – und zwar auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene.

Wozu braucht es etwa eine Million Euro Extrabudget für die Bewerbung Österreichs als Skination bei den Olympischen Winterspielen in Cortina? Abgesehen davon, dass den Skifans wohl mittlerweile bekannt sein dürfte, dass es in der Alpenrepublik viele Lifte gibt, erhält die Österreich-Werbung ohnehin 30 Millionen Euro vom Staat für genau solche Aufgaben. Und jedes Bundesland finanziert seine regionale Tourismuswerbung mit.

Fachkräftestrategie ist wichtig, aber ein Lippenbekenntnis

Die zum x-ten Mal angekündigte Fachkräftestrategie und Ausweitung der Ganzjahresbeschäftigung ist eine sehr wichtige Sache. Sie bleibt aber ein bloßes Lippenbekenntnis, wenn zugleich Saisonierkontingent und Mangelberufsliste eiligst ausgeweitet wurden, um mehr Personal von außerhalb der EU nach Österreich zu holen. 

Die Gewerkschaft fürchtet, dass noch mehr ausländische Billigarbeitskräfte die Arbeitslosigkeit im Tourismus ankurbeln und die Arbeitsbedingungen dadurch nicht besser werden. Das mag zwar angesichts der Personalnot übertrieben sein. In Zeiten von Sparbudgets stellt sich jedoch die Frage, ob teure (Werbe-)Maßnahmen zur Personal- und Gästerekrutierung wirklich Staatsaufgabe sind oder nicht auch von einer gut ausgelasteten Branche selbst finanziert werden könnten.

Fragwürdig erscheint auch der Vorschlag von Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner an die Statistik Austria, ihre Inflationsermittlung zu überdenken, damit die Teuerung im Tourismus nicht gar so arg zu Buche schlägt. Den „Gäste-Effekt“ trickreich aus der Statistik herauszurechnen, ändert nichts daran, dass die Preise trotzdem steigen. Die Menschen spüren das in ihrer Geldbörse.

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