Nach SPÖ-Parteitag: Andreas Babler, der Steher

Normalerweise würde eine Zustimmung von nur 81,51 Prozent in der SPÖ eine Führungsdiskussion auslösen. Der Vizekanzler kann sich aber gestärkt fühlen. .
Martin Gebhart
Nach SPÖ-Parteitag: Andreas Babler, der Steher

Die Stimmung in der Messehalle in Wien vermittelte den Eindruck, Andreas Babler könne bei diesem Parteitag Bäume ausreißen. Immer wieder Standing Ovations, begeisterte Zurufe während seiner rund einstündigen Rede. In der Wahlzelle sah es aber dann doch ein wenig anders aus.

Nur 81,51 Prozent der Delegierten stimmten für ihn, der Rest hatte seinen Namen gestrichen. Einem seiner Vorgänger, Ex-Kanzler Werner Faymann, war seinerzeit der Rücktritt nahegelegt worden, nachdem er bei einem Parteitag nur 83,4 Prozent der Stimmen erhalten hatte. Nur Ex-Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner hat mit rund 75 Prozent ein schwächeres Ergebnis vorzuweisen.

Andreas Babler kann sich dennoch gestärkt fühlen. Ein Ergebnis über 80 Prozent war im Vorfeld von Funktionären als gesichtswahrend ausgegeben worden. Das hat der rote Parteivorsitzende knapp geschafft. Er kann jetzt mit seinem Team ruhig weiterregieren, der innerparteiliche Zwist hat vorerst keinen Nährboden mehr.

Man muss sich dazu auch die Vorgeschichte genau anschauen. Als die Diskussion um Ex-Kanzler Christian Kern als möglichen Gegenkandidaten am Höhepunkt war, hatten manche Andreas Babler bereits abgeschrieben. Letztlich hat er aber die Oberhand behalten. Zwar mit ein paar Schrammen, aber die steckt er in gewohnter Weise weg. Das hat er schon mehrmals bewiesen. Er ist ein Steher.

Was im Fall von Andreas Babler von seinen Gegnern immer wieder unterschätzt wird: So gut wie er kennt keiner die Partei. So gut wie er versteht kein anderer, auf einem Parteitag Stimmung zu machen. Seine Inszenierung, sein unvergleichbarer Redefluss, seine lauten Stakkato-Botschaften, seine fordernden Handbewegungen auf der Bühne. Das alles hebt die Stimmung im Saal, das alles lässt auch jene mitklatschen, die ihm eigentlich skeptisch gegenüberstehen. Das war beim entscheidenden Auftritt gegen Hans Peter Doskozil in Linz so, das hat auch seinen ersten richtigen Bundesparteitag in Graz bestimmt.

Er weiß auch, an welchen Fäden er ziehen muss, um in den entscheidenden Gremien immer wieder Mehrheiten zustande zu bringen. Sein Rückhalt ist die Gewerkschaft, sein Rückhalt ist letztlich auch Wien. Auch wenn man Babler mittlerweile viel distanzierter gegenübersteht als im Jahr 2023, als er den Burgenländer Doskozil verhinderte.

Eines scheint nach dem Parteitag auch klar zu sein: Andreas Babler wird bei der nächsten Nationalratswahl wieder die SPÖ als Spitzenkandidat anführen. Derzeit ist – trotz sehr schlechter Umfragewerte – weit und breit in der Partei keine Person auszumachen, die ihm diese Rolle streitig machen könnte. Und noch einmal werden Bablers Gegner den Namen Christian Kern nicht mehr aufwärmen können.

Porträt eines Mannes mit Brille vor dem Hintergrund „Kurier Kommentar“.

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