CORONAVIRUS - OSTERHASEN MIT SCHUTZMASKEN

© APA/ROBERT JAEGER / ROBERT JAEGER

Leitartikel
02/15/2021

Last Exit: Spätestens zu Ostern kann es so nicht weitergehen

Es ist gut, dass die Regierung vorsichtig bleibt. Aber es ist fatal, dass sie es verabsäumt, uns eine Perspektive zu geben

von Richard Grasl

Wir sind Weltmeister. Beim Skifahren. Und wir sind Nummer drei der Welt: beim Corona-Testen. Nur auf Zypern und in Dänemark werden pro 100.000 Einwohner mehr Bürger getestet. Wir testen uns für den Friseur, für die Schule, für Oma und Opa – wir testen, weil wir wieder ein normales Leben haben wollen.

Wenn unsere Nachbarn aus Deutschland auf gute Inzidenzwerte von rund 50 verweisen, muss erwähnt werden, dass dort acht Mal (!) weniger getestet wird als bei uns. Einen Gratistest bekommt dort nur jemand, der Symptome hat. Vielleicht kann das auch jemand dem bayerischen Möchtegern-Kanzler erklären, der Österreicher populistisch an der Grenze abweisen lässt. Wer mehr testet, entdeckt mehr Fälle.

Doch zurück zu unseren eigenen Problemen. Gerade mal eine Woche ist die Lockerung für Handel und Schulen alt, und der mittlerweile geübte Hobbyvirologe unter uns weiß, dass man immer zwei Wochen warten muss, bis Ergebnisse sichtbar werden. Daher war es für die Regierung derzeit undenkbar, den Gasthäusern und Hotels eine Öffnung per 1. März zu versprechen. Die Zahl der Intensivpatienten ist zwar mittlerweile auf 258 gesunken und hat sich damit im Vergleich zum November-Höchstwert von 709 fast gedrittelt. Aber: Die vage Aussicht auf eine weitere Öffnung „rund um Ostern“ (Zitat Kurz) wirkt wie eine Pflanzerei, denn es ist nun auch Zeit für Perspektiven – und da hapert es.

Thema Impfen: Selbst wenn man anerkennt, dass das mit den Lieferungen schwierig ist, dass Impfstoffe unterschiedlich gut wirken, muss es möglich sein, jedem ein Terminfenster bekannt zu geben. Da kommt es nicht auf den Tag genau an, nicht auf die Woche – und vielleicht muss man auch gut begründet verschieben, wenn ein Impfstoff ausfällt. Aber die Menschen brauchen zur Motivation einen Termin. Das ist so, wie man sich wochenlang auf einen Urlaub vorfreuen kann.

Thema Gastronomie, Sport: Da wir uns jetzt friseur- oder nageltechnisch daran gewöhnt haben, beim Eintreten einen Test vorzuweisen, könnte man das doch auch auf Wirtshäuser, Hotels, Stadien und Sportanlagen ausdehnen. Allein in der Gastronomie arbeiten 250.000 Menschen. Gute Betriebe fürchten den Abgang qualifizierter Mitarbeiter in andere Branchen, schwächere werden das nicht mehr überleben. Wir verlieren ein gesamtes Jahr Lehrlingsgeneration. Die Wirte würden alles tun, um wieder aufzusperren, auch Tests kontrollieren oder von den Gästen verlangen, selbst mit Testkits vor ihnen in der Nase zu bohren.

Ein Bundeskanzler (Sinowatz) hat mal gesagt, dass alles so kompliziert sei. Das trifft auf die Corona-Krise besonders zu. Aber wir dürfen erwarten, dass die Regierung für uns die Gleichung mit den unbekannten Variablen wie Impfungen, Mutationen etc. löst. Länger als bis Ostern, wenn alle 80-Jährigen geimpft sind, darf der jetzige Zustand nicht andauern.

Feedback an: richard.grasl@kurier.at / twitter: @richardgrasl

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