über Brandstiftung bei Asylheimen
06/05/2016

Wer Hass sät, wird mehr Gewalt ernten

Nach dem feigen Brandanschlag auf ein Asylquartier sind ein offenes Visier und mehr Zivilcourage gefragt.

von Josef Votzi

Wer Hass sät, wird mehr Gewalt ernten.

Josef Votzi | über Brandstiftung bei Asylheimen

Als in Deutschland die ersten Flüchtlingsheime brannten, "dachte ich, das ist ganz weit weg von uns. Ich kann nicht glauben, dass das nun auch bei uns passiert", sagt der Bürgermeister. "Moslems haben hier nichts verloren. Man sieht doch was diese Leute in Wien anstellen", heißt es am Stammtisch: "Aber das ist kein Grund, ein Gebäude anzuzünden." Aus Deutschland sind wir die Schreckensnachrichten bereits gewohnt. Nun wurde im oberösterreichische Altenfelden erstmals hierzulande ein Flüchtlingsheim abgefackelt.

Von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt, meldete sich noch am gleichen Abend ein Amtsträger besonders profund zum Klima zu Wort, das Anschläge wie diese befeuert. Kardinal Christoph Schönborn mahnte am Rande eines Empfangs mehr Besonnenheit in der Flüchtlingsfrage ein. Sein Appell an alle, die das öffentliche Leben prägen: "De-dramatisieren; Humor bewahren; Schläge, die man bekommt, nicht erwidern." Der Wiener Erzbischof spannte einen großen Bogen von "unseren angeblich so turbulenten Zeiten" bis zurück in die 50er-Jahre.

Am Beispiel des Ungarn-Aufstands 1956: "180.000 flohen nach Österreich. Wir haben diese Herausforderung bewältigt"– "So dramatisch war die gute alte Zeit."

Zur Kritik an der kircheneigenen Caritas: "Wenn oft gesagt wird, ihr kümmert euch nur um die Ausländer, dann sage ich: 80 Prozent der Caritas-Tätigkeit betreffen Menschen in unserem Land." Zum Klima gegenüber Flüchtlingen und Zuwanderern: "Manche meinen, das Heil sei darin, Brücken hochzuziehen. Ich wünsche mir, das Österreich ein Land ist, dass beherzt sich traut, Türen zu öffnen."

Türen und Fenster auf – nicht nur im Palais

Der Kardinal, der gerne zurückhaltend agiert, setzte zudem ein Zeichen, dass es ihm damit auch persönlich ernst ist. Am Ende seiner Rede ließ er im idyllischen Innenhof des erzbischöflichen Palais in der Wiener City die straßenseitigen Türen öffnen, damit sich zufällige Passanten unter die geladenen Gäste aus Wirtschaft, Politik und Medien mischen. Die demonstrative Öffnung sollte Symbol für den allgemeinen Umgang in der Öffentlichkeit sein. Die Bürger der Stammtische in Altenfelden, die keine Moslems im Land haben wollen, bleiben unter sich. Die sozialen Medien wie Facebook befördern die Blasenbildung, da deren Rechner nur Menschen mit gleichen Neigungen verknüpfen. Der Neustart in der Politik kann nur gelingen, wenn auch die Regierung Fenster und Türen aufmacht. Die Panne mit den jüngsten Asylzahlen beweist: Zuoberst ist ein offener Umgang mit allen Fakten und offenen Fragen angesagt.

Gefragt sind mehr denn je auch couragierte Würdenträger wie Christoph Schönborn, die Hasspredigern die Stirn bieten. Die Bilder des Brandanschlags von Altenfelden sind alarmierend: Wer weiter Hass sät, wird mehr Gewalt ernten. Der Bürgermeister und das Rote Kreuz setzen das einzige richtige Zeichen: Dort wo jetzt noch eine Brandruine steht, sollen bald wie geplant 48 Flüchtlinge in ein neu hochgezogenes Quartier einziehen.

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