über den Richtungsstreit in der FPÖ
12/21/2016

Lügenpresse? Strache hat ein Problem mit bitteren Wahrheiten

von Josef Votzi

Lügenpesse? Strache hat ein Problem mit bitteren Wahrheiten: Sein Anti-EU- und Pro-Putin-Kurs spaltet die FPÖ.

Josef Votzi | über den Richtungsstreit in der FPÖ

Na klar, Schuld sind einmal mehr die böswilligen Medien. Lügenpresse, eh klar. Heinz Christian Strache sucht sein Heil einmal mehr in der Attacke. Die Lage für den FPÖ-Chef ist in der Tat alles andere als kommod: Während er in Moskau mit Putin-Unterläufeln fraternisiert, gab sein oberösterreichischer Parteivize dem KURIER ein brisantes Interview. Haimbuchner kritisierte erstmals offen die Kumpanei mit Rechtspopulisten und EU-Austritts-Fans wie Front National-Frontfrau Marine Le Pen und AfD-Chefin Frauke Petry. Der Sukkus von Haimbuchners Ansage wurde in einer Schlagzeile zu Recht so zusammengefasst: Müssen auf Distanz zu AfD & Le Pen gehen. Einziger Fehler: Das Kondensat des Interviews wurde unter Anführungszeichen gesetzt. Die entsprechende Passage lautet wörtlich so: "Übertriebene Freudenbekundungen aus dem Ausland schaden uns. Ob das nun die AfD oder Marine Le Pen sind. Das schreckt so manche ab. Wir müssen hier klar und deutlich sagen, dass wir einen anderen Standpunkt zur EU haben."

Von wegen Lügenpresse, blaue Propagandisten würde bei jedem anderen längst skandieren: Lügenpolitiker. Denn der FPÖ-Chef tobte intern gegen Haimbuchner, zieh öffentlich aber den KURIER der Unwahrheit. Er schlägt den Medien-Sack, meint aber seinen mächtigen innerparteilichen Widersacher.

Parteiinsider wissen: Haimbuchner hatte mit dem peinlichen Moskau-Trip seiner Parteikameraden samt Fünfjahres-Freundschaftsvertrag mit der Putin-Partei keine Freude. Was Strache besonders unrund macht: Er weiß aus jüngster Erfahrung, dass sich am Ende Haimbuchner und nicht er durchsetzt. Strache wollte Ursula Stenzel als Hofburg-Kandidatin. Haimbuchner war dagegen und brachte erfolgreich Norbert Hofer ins Spiel. Strache ist als formale Nr. 1 seither doppelt unter Druck: Von Norbert Hofer, der sich mit fast 47 Prozent bei der Hofburg-Wahl zur wahren blauen Nr. 1 qualifiziert hat. Und nun auch noch von Manfred Haimbuchner, der in OÖ längst am Sprung zur Nr. 1 ist.

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