über die Welt von heute
12/25/2016

Finden wir den Frieden in uns selbst

Schwer zu verkraften sind die täglichen Berichte über Unglück, Tod und Terror auf der so klein gewordenen Erde.

von Helmut Brandstätter

Wer ohne Chips im Körper herumläuft, wird bald ein Auslaufmodell sein

Dr. Helmut Brandstätter | über die Welt von heute

Weihnachten ist nicht das höchste Fest der Christen – das sind die Ostertage, wo Kreuzigung und Auferstehung den tiefen Sinn des christlichen Glaubens vermitteln sollen. Aber Weihnachten ist so populär geworden, nicht nur, weil sich Groß und Klein auf Geschenke freuen, sondern wohl eher, weil wir in der finsteren Jahreszeit mit Jesu Geburt das Leben feiern. Im Idealfall nicht nur das Leben von uns Menschen, sondern das Zusammenleben auf der Erde, das ja in vielen Orten und Bereichen so stark gefährdet scheint.

Wir Menschen sind eine Tierart, die diesen Planeten im Laufe der Evolution zunächst sehr langsam, nach der Sesshaftwerdung aber immer wieder radikal verändert hat. Der Übergang zum Ackerbau hat die Erdoberfläche zum Teil neu gestaltet, die Verbreitung der monotheistischen Religionen den Zugang zur Natur anders vorgezeigt, die zum Teil gewaltsame Eroberung des gesamten Erdballs von Europa aus war dann der erste Schritt zur Globalisierung, die uns im Moment so beschäftigt.

Folgt man dem israelischen Autor Yuval Noah Harari, sind wir Menschen aber schon unterwegs zum vielleicht ultimativen Schritt: Menschen wollen selbst Gott werden, oder zumindest eine Art Gott spielen, durch eine extreme Verlängerung des Lebens, die Bekämpfung aller Krankheiten und letztlich die Erforschung des ewigen Lebens. Bei der Züchtung von neuen Organen ist die Wissenschaft schon sehr weit, bei der im Körper implantierten Nanotechnologie, die rechtzeitig auf Krankheiten aufmerksam macht, ebenso. Die Bekämpfung der natürlichen Alterung wird für Medizin und Biochemie eine Herausforderung, aber kein unerreichbares Ziel. Wer ohne Minicomputer und Chips im Körper herumläuft, wird bald ein Auslaufmodell sein.

Große Veränderungen liegen noch vor uns

Die Wissenschaft, die sich so schnell entwickelt, dass auch Fachleute ständig gefordert sind, ist das eine. Wie wir Menschen mit diesen radikalen, manchmal überfallsartigen Veränderungen umgehen, ist etwas anderes. Dazu kommen die Flüchtlings- und Wanderungsbewegungen, die uns bedrohlich vorkommen, auch weil dadurch die Unterschiede im Bewusstsein, im Zugang zur Religion, manchmal auch in der Wertschätzung von Leben und Familie klar werden.

Da stehen wir also anlässlich eines Festes, das Frieden auf Erden verheißen soll: Ängstlich und verunsichert, wie der erworbene Wohlstand gehalten werden kann, gleichzeitig mitten in einer Entwicklung, die noch rasanter unser Leben verändern wird. Durch medizinische Forschung, Roboterarbeit und andere technische Neuerungen. Das alles in einer Machtkonstellation, die nach dem Fall des Kommunismus überwunden schien. Es geht noch immer um territoriale Gewinne, plötzlich wieder um Atommacht und den Ruhm von selbst ernannten Führern nationalistischer Verirrungen.

Trotz allem den Frieden in sich selbst finden, das wünscht das KURIER-Team allen Leserinnen und Lesern.

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