über den Streit um Wahlkampfauftritte in Österreich
03/10/2017

Danke, Herr Erdoğan

Der Sultan macht die Doppelwelt der Austro-Türken sichtbar. Statt sinnloser Verbote ist mehr Miteinander gefordert.

von Josef Votzi

Danke, Herr Erdogan! Der Sultan macht die Doppelwelt der Austro-Türken sichtbar.

Josef Votzi | über den Streit um Wahlkampfauftritte in Österreich

Erst stellte er Merkel mit " Nazi-Deutschland" gleich. Nun droht Erdoğan, selbst zu kommen, um für noch mehr Wirbel zu sorgen.

Der türkische Präsident will sich am Ostersonntag zum bald allmächtigen Sultan ausrufen lassen. Umfragen signalisieren, dass das mehrheitliche "Ja" noch am seidenen Faden hängt.

Erdoğan und seine Vasallen rücken nun in halb Europa aus, um die fehlenden Stimmen für ein Ja einzutreiben. Die Deutschen strapazieren feuerpolizeiliche Bedenken, um das zu verhindern.

Hierzulande gibt man sich ausnahmsweise gründlicher als die Deutschen. Wolfgang Sobotka will seine Auftritte verbieten: Per Gesetz, das erst Monate nach Erdoğans Schicksalstag Mitte April wirksam werden kann – ein populistischer Schuss in den Ofen.

Unerledigte Hausaufgaben

Österreichs Politik tut besser daran, Erdoğans rücksichtslose Propagandaschlacht zu nutzen, um endlich einige seit Jahrzehnten unerledigte Hausaufgaben zu machen. Denn Erdoğan macht mit der Brechstange sichtbar, was lange unter den Teppich gekehrt wurde: das Leben der Austro-Türken in abgeschotteten Parallelgesellschaften bis hin zu illegalen Doppelstaatsbürgerschaften.

"Es wurde über Jahrzehnte versäumt, dafür zu sorgen, dass diejenigen, die aus der Türkei gekommen sind, hier eine neue Heimat finden. Das rächt sich jetzt", proklamiert der Sprecher der deutschen Grünen, Cem Özdemir und fordert "einen Pakt aller Parteien", um die Türken "auch medial und kulturell zu integrieren".

Als ersten Schritt schlägt Özdemir, die Gründung eines öffentlich-rechtlichen deutsch-türkischen TV-Senders nach Vorbild des deutsch-französischen Arte vor.

Der Deutsch-Türke hat recht. Erdoğan sind die Grenzen für seine Allmachtsfantasien klarer denn je zu zeigen. Den Austro-Türken ist noch deutlicher zu signalisieren, dass Österreichs Politik anders tickt. Und nicht auf Spaltung und Feindbilder, sondern auf Miteinander setzt.

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