Bittere Enttäuschung im Lager der Romney-Fans
Romney war auf vieles gefasst, nur nicht auf eine schnelle Niederlage
über die US-Wahl
Niederlage. Schwer geknickt verkündete der republikanische Präsidentschaftskandidat seinen Misserfolg.In der Wahlzentrale des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney war man in der Wahlnacht auf vieles gefasst, nur auf das nicht – eine schnelle Niederlage. Im schlimmsten Fall werde es ein knappes Ergebnis, hatten die Romney-Anhänger gedacht. Bald aber verkündete der konservative Fernsehkanal Fox News die Wiederwahl von Präsident Barack Obama.
"Ich wollte das Land in eine andere Richtung führen, aber die Nation hat einen anderen Anführer gewählt", sagte Romney ein paar Stunden später vor seinen Anhängern in der republikanischen Wahlzentrale in Boston. Seine Rede hatte er erst noch schreiben müssen. Er hatte nur eine in der Sakko-Tasche bereit gehabt: Die Dankesrede an die Nation für die Wahl zum US-Präsidenten.
"Gouverneur Romney hat nicht verloren", beharrte John Sitilides gegenüber dem KURIER, ein republikanischer Stratege und außenpolitischer Experte in Washington. Doch dann maulte er: "Das ist eine politische und soziale Offenbarung über die amerikanischen Wähler." Diese Wahl habe gezeigt, dass die Amerikaner liberaler seien als die Politologen dachten. "Amerika hat die europäische Sozialdemokratie als Zukunftsmodell für sich angenommen", so der Analyst. Im außenpolitischen Bereich bedeute das, die USA seien keine weltführende Macht mehr, sondern einfach ein Partner im internationalen Geschehen.
Früher Abgang
Die Enttäuschung über die republikanische Niederlage war in der Bostoner Wahlzentrale nicht zu übersehen. Rasch verließen die ersten Gäste das Gelände. Kellner räumten eilig das Buffet ab.Mitt Romney ließ bis ein Uhr Früh auf sich warten. Die dünner werdende Menschenmenge im Festsaal versuchte, ihn mit etwas unsicherem Klatschen und vereinzelten Rufen schneller auf die Bühne zu holen. Dann zeigte sich Romney: „Ich habe gerade mit Präsident Obama telefoniert, um ihm zu gratulieren“, verkündete er. Seine Enttäuschung über die Niederlage versuchte er so gut wie möglich wegzustecken, er rief zur Zusammenarbeit zwischen Republikanern und Demokraten auf. Sie sollten „die Menschen über die Politik stellen“, forderte er beide Seiten auf. „Unsere Nation ist an einem kritischen Punkt. In Zeiten wie diesen können wir uns keine politischen Auseinandersetzungen leisten“, mahnte Romney.
"Kandidieren Sie wieder!", rief jemand aus der Menge dazwischen. Die meisten Menschen standen aber fassungslos da. Eine junge Frau in rotem Sakko – die Farbe der Republikanischen Partei – weinte. „Ich bin so enttäuscht! Ich habe monatelang für diesen Wahlkampf gearbeitet“, seufzte eine Mitarbeiterin. Die meisten Anwesenden waren nicht in Stimmung, Kommentare zum Wahlergebnis abzugeben und gingen gleich nach Romneys Rede heim.
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