über Pfarrer, Kirche und Internet
06/04/2016

Die Leiden der Firmpatin

Was die Kirche angeblich mit einem Wlan-Router gemeinsam hat.

von Vea Kaiser

Der Glaube ist also voller Katzenbilder, Pornoseiten sowie Videos übers Pickel-Ausdrücken.

Vea Kaiser | über Pfarrer, Kirche und Internet

Es gibt drei Ämter, um die man als Mitglied einer Großfamilie kaum herumkommt. Trauzeugentum, Taufpatendasein und Firmpatenatem. Ersteres hab ich vor zwei Jahren am Standesamt Berlin-Mitte erledigt, Zweiteres vor einem Jahr in einer serbisch-orthodoxen Kirche in Istrien, und das dritte am Wochenende in Niederösterreich. Der Vorteil, in Berlin zu betrauzeugen und in Istrien zu betaufpaten, war eindeutig, dass ich weder das Berlinerisch des Standesbeamten noch das Serbisch des Pfarrers verstand. In der niederösterreichischen Kirche war die Lage leider anders. „Ihr lieben Firmlinge wissts ja sicher alle schon, was das Internet ist, oder? Der Glaube ist wie das Internet! Ihr wissts ja auch, was ein Wlan-Router ist, oder? Die Kirche ist wie ein Wlan-Router! Die verbreitet das Internet! Also den Glauben!“, verkündete der Firmspender euphorisch grinsend. Okay, der Glaube ist also voller Katzenbilder, Pornoseiten sowie Videos übers Pickel-Ausdrücken und die Kirche eine Erfindung, die momentan unersetzlich scheint, aber von der Technologie auch irgendwann für unnötig erklärt werden wird? Meinetwegen. Die älteren Verwandten der Firmlinge jedenfalls waren furchtbar begeistert von diesem entzückend verzückten Kirchendiener, „a so a schöne Predigt! Und wie der die Jugendlichen angesprochen hat!“, flüsterte ein Chor älterer Damen beim anschließenden Umtrunk. „Urpeinlich“, flüsterte eine Gruppe Gefirmter, und wand sich in ihren viel zu großen Anzügen, in denen sie sich allesamt sichtlich unwohl fühlten. Eine halbe Stunde später war die Predigt vergessen, und die Gefirmten freuten sich über ihre neuen iPhones und Hoverboards. Aber gut, schon zu meinen Zeiten, als die Kirche noch eine Kirche und kein Wlan-Router war, ließ man sich nicht wegen der Worte der Predigt firmen, sondern eigentlich nur wegen der Geschenke danach.

vea.kaiser@kurier.at

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