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Meinung
12/13/2019

Kann Boris Johnson Großbritannien?

Mit dem Brexit und dank eines desaströsen Gegners triumphierte der Premier – jetzt folgen die Mühen der Ebene.

von Andreas Schwarz

Diesmal haben die Umfragen – anders als beim Brexit-Referendum – nicht getrogen: Boris Johnsons Abenteuer als Premier hat sich gelohnt, fulminanter kann man seine erste Wahl nicht gewinnen. „Get Brexit done“ war sein Slogan, mit dem er die nicht rasend Brexit-freudigen, aber Debatten-müden Briten eingefangen hat. So weit, so Triumph des Brexiteers.

Aber kann Boris Johnson auch Großbritannien?

Der frühere Bürgermeister von London hat einen Vorteil auf seiner Seite: Er wird gerne unterschätzt. Die tapsige und unstete Art des blonden Wirrkopfs verbirgt einen belesenen, gebildeten und, wenn er will, zielstrebigen Politiker. Aber sonst?

Man weiß, dass Johnson seine Karriere auf kleinen und großen Unwahrheiten aufgebaut hat und dass er die Briten mit definitiven Lügen in das Brexit-Votum geführt hat. Man weiß, dass er eine Partei führen und säubern kann, wie er das mit den Tories gemacht hat. Und man hat erlebt, dass er mit Chuzpe und Scharlatanerie das Parlament zu seinem Spielfeld gemacht hat. Vielleicht stimmt das alte Diktum, dass der Wähler sich hingezogen fühlt zu jemandem, der er gerne selbst wäre: entweder smart und tough oder liederlich und schlitzohrig.

Aber reicht Letzteres für das, was das Königreich abseits des EU-Austritts braucht? Hat Johnson Konzepte für das Gesundheitssystem, das die Briten zwickt wie kaum etwas anderes? Kann er die Briten wieder einen, nachdem er im Zuge der Brexit-Volten Nordirland auf der Strecke gelassen hat und die Schotten ohnehin wegwollen? Und wo positioniert Johnson Großbritannien international, außer dass er sich in die Umarmung Donald Trumps schmiegt?

Die „Trumpisierung“ Großbritanniens

Schon malt der Independent die „Trumpisierung“ Großbritanniens an die Wand. Abseits dieses Vergleichs stellt sich die nächste Frage: Wofür steht Johnson eigentlich, und wie geht er mit der Tatsache um, dass seine Tories nach der Wahl andere sind als vorher, bereichert um Labour-Wähler und Enttäuschte aus dem Norden?

Man wusste, wofür Margaret Thatcher stand (gnadenloser Kapitalismus, Zerstörung der Blockade-Gewerkschaften); man wusste, wofür Tony Blair stand („New Labour“ – übrigens das Gegenteil dessen, womit Jeremy Corbyn krachend gescheitert ist); dann gab es Premiers von John Major bis David Cameron, von denen musste man/ wollte man es gar nicht wissen. Aber Boris Johnson, der sich mit dem Anspruch ins Abenteuer Downing Street 10 gestürzt hat, ein Erbe Winston Churchills zu sein?

Am Ende könnte in den Geschichtsbüchern stehen, dass Johnson ein Rappelkopf war, der Großbritannien aus der EU geführt hat. Ein Fehler, von dem es sich lange nicht erholt hat. Der Rest des Textes aber könnte, nach jetzigem Stand, kurz ausfallen.

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